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KAISERLICHES INSTITUT UND
ERINNERUNGSRAUM604
de logis untergebracht werde, „was ich schon vor langer Zeit empfohlen
habe.“642
Die Baubesprechung fand nach einer Terminänderung schließlich am
22. April statt; am 11. Mai übermittelte Schnürer der Generaldirektion ei-
nen ausführlichen Bericht darüber.643 Franz Ferdinand hatte mittlerweile
beschlossen, die Fideikommissbibliothek zukünftig im zweiten Obergeschoss
des Corps de logis unterzubringen, und Schnürer wurden von der Baulei-
tung entsprechende Planskizzen zur Verfügung gestellt. Auf deren Grund-
lage hatte daraufhin Jureczek Berechnungen zum Platzbedarf für die Un-
terbringung der Sammlung angestellt. Es ergab sich dabei, dass selbst bei
großzügiger Verteilung die zur Verfügung stehende Wandfläche das für die
Aufstellung sämtlicher Kästen erforderliche Längenmaß um gut 140 Lauf-
meter überschritt, sobald alle Räume im zweiten Obergeschoss des Corps de
logis in Betracht gezogen wurden. Die bereits vorhandenen Bücherkästen,
die auch weiterhin aus Kostengründen wiederverwendet werden sollten, wa-
ren zudem deutlich niedriger als die Raumhöhe (die Differenz betrug zw.
1,25 und 2.45 m), sodass nur ein Teil der zur Verfügung stehenden Wand-
fläche ausgenutzt werden konnte. Dass die freie Aufstellung der Kästen in-
mitten der Säle unter diesen Umständen diesmal kein Thema war, erübrigt
sich. Nach der Angabe Schnürers konnten die jährlichen Zuwächse die leer
bleibenden Flächen erst in 35–40 Jahren füllen. Der zur Verfügung stehende
Raum im zweiten Obergeschoss des Corps de logis übertraf also bei weitem
den für die Unterbringung der Sammlung notwendigen Bedarf und es stand
zu befürchten, dass deshalb einzelne Bereiche anderen Zwecken gewidmet
würden. Das wollte Schnürer unbedingt verhindern. Er schlug deshalb drei
Maßnahmen vor, die die Gewinnung des gesamten Raumangebotes für die
Fideikommissbibliothek rechtfertigen sollten: eine Ausstellung der Huldi-
gungsadressen, wie sie bereits 1893/94 im Augustinergangtrakt realisiert
worden war; eine weitere Ausstellung, die den reichen Bestand an vormärz-
lichen Aquarellen und verschiedene weitere Objekte der Öffentlichkeit prä-
sentieren sollte; und die Übernahme der sog. Bibliotheca Estensis durch
die Fideikommissbibliothek. Diese letztere war Teil der Sammlungen des
Thronfolgers, stand aber, wie Schnürer betonte, „in keinem, weder inneren
noch äußeren Connex“ mit den Kunstsammlungen. Da überdies auch kein
eigenes Personal für diese Bibliothek in Verwendung stand, glaubte Schnü-
rer, dass es den Intentionen Franz Ferdinands entsprechen würde, wenn sie
„mit vollster Aufrechterhaltung ihrer Selbstständigkeit, mit Vorbehalt ihrer
642 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF, S.R., Kt. 17,2, Z. 1540 ex. 1907.
643 FKBA37205, fol. 5–8 (Konzept), und Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF, S.R., Kt. 17,2, Z. 1950
ex. 1907.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken