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BIBLIOTHEKSGESCHICHTE 605
juridischen Zugehörigkeit zu einem anderen Eigentümer, mit ihrer eigenen
Nummerierung, in eigenen Sälen aufgestellt, der Verwaltung und Fürsorge
der Beamten der Fideikommiß-Bibliothek anvertraut“ werden würde.644
Die Reaktion in der Generaldirektion auf diesen Vorstoß war ambivalent.
Franz von Hawerda-Wehrlandt, der Stellvertreter des Generaldirektors, sah
die Vorschläge Schnürers durchaus kritisch: Die Inanspruchnahme des ge-
samten zweiten Obergeschosses könnte „leicht zu Kämpfen und Konflikten
führen“.645 Im Hinblick auf die Ausstellungspläne bezog sich Hawerda auf
Aussagen des Freiherrn von Rumerskirch, der als Kammervorsteher Franz
Ferdinands anscheinend dessen Ansichten über die zukünftige Nutzung der
Neuen Burg wiedergab: Die Räume im zweiten Obergeschoss des Corps de
logis würden sich für Ausstellungszwecke „in ihren gegenwärtigen Lichtver-
hältnissen […] nicht eignen“ und die Fideikommissbibliothek sollte zukünf-
tig „mehr den Charakter eines Bücherdepots als wie den einer mit Lesesälen
versehenen Bibliothek haben“.646 Besonders hinsichtlich der erneuten öffent-
lichen Schaustellung der Huldigungsadressen hatte Hawerda Bedenken, „an
der Schwelle des 60jährigen Regierungsjubiläums eine solche Ausstellung
zu veranstalten, welche immerhin den Anschein hervorrufen könnte, ähn-
liche, mit manchmal erheblichen Auslagen verbundene, unproductive Hul-
digungskundgebungen dem Publicum, wenn schon nicht nahezulegen, so
doch wieder in Erinnerung zu bringen.“ Für die administrative Angliederung
der Bibliotheca Estensis wäre schließlich der Personalstand nicht ausrei-
chend.647 – Generaldirektor Chertek scheint diese Einwände nicht geteilt zu
haben. Er trug Schnürer nur lapidar auf, „mit Geltendmachung der ihm für
den Zweck geeigneten Gründe die Zuweisung des ganzen 2. Stockwerkes an-
zustreben oder zum mindesten der Räume, welche in ihrer Lage (gegen die
Ringstraße und den Kaisergarten) in ihrem Umfange jenen Parterreräumen
gleich sind, die der Bibliothek vor Jahren schon zuerkannt worden sind“.648
Am 9. Juli teilte Schnürer mit, dass die von Ludwig Baumann ausgear-
beiteten Verteilungspläne von Franz Ferdinand genehmigt worden waren.
Demnach sollte die Fideikommissbibliothek nun tatsächlich das gesamte
zweite Obergeschoss des Corps de logis erhalten; als Zeitraum der Übersied-
lung wurde der Monat Mai des Jahres 1908 in Aussicht gestellt. In Reaktion
644 FKBA37205, fol. 7r.
645 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF, S.R., Kt. 17,2, Z. 1950 ex. 1907: 2. Referatsbogen, [fol. 1r].
646 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF, S.R., Kt. 17,2, Z. 1950 ex. 1907: Mitteilung des Freiherrn v.
Rumerskirch v. 25. 4. 1907.
647 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF, S.R., Kt. 17,2, Z. 1950 ex. 1907: 2. Referatsbogen, [fol. 1v u.
2r].
648 FKBA37205, fol. 10r: Chertek an Schnürer, 17.05.1907.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken