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KAISERLICHES INSTITUT UND
ERINNERUNGSRAUM620
Burghauptmann Ferdinand Kirschner stand. Mit der mutmaßlichen Interven-
tion Kirschners dürfte auch die Ausstellung der Huldigungsadressen im öster-
reichischen Kunstverein ursächlich zusammenhängen,693 die gewiss nicht im
Sinne Beckers war, da sie ja offensichtlich der von ihm mehr als einen Monat
zuvor beanspruchten Befugnis zur Durchführung dieser Angelegenheit wi-
dersprach. Die verfügbaren Informationen zu dieser Ausstellung verraten in
mehrfacher Hinsicht eine überhastete und improvisierte Organisation. Es ist
zunächst wohl bemerkenswert, dass man ausnahmslos sämtliche anlässlich
der silbernen Hochzeit übergebenen Widmungsgegenstände öffentlich aus-
stellte, während sonst bei vergleichbaren Anlässen immer nur eine Auswahl
künstlerisch besonders wertvoller Huldigungsadressen gezeigt wurde. Für
diese undifferenzierte Präsentation benötigte man das von der Burghaupt-
mannschaft geforderte Gesamtverzeichnis, das schließlich von dieser selbst
innerhalb von nur zwei Wochen erstellt wurde, sodass die Ausstellung Anfang
Juni eröffnet werden konnte.694 Organisiert wurde sie vom Direktor des öster-
reichischen Kunstvereins, Moriz Terke, der mit seiner Unterschrift auf dem
Verzeichnis die Übernahme der 802 Huldigungsadressen bestätigt hatte.
Nach diesen Erfahrungen hatte Becker das Interesse an der Ausstellungs-
tätigkeit anscheinend vorerst verloren. Er hatte nun aber eine andere Form
der Vermittlung des neu gewonnenen Bestandes gegenüber der Öffentlichkeit
im Auge: Am 12. November 1879 schrieb er an Rudolf von Eitelberger, dass
er zu den Huldigungsadressen „einen besonderen Katalog anzulegen und mit
Ah. Genehmigung Sr. Majestät durch den Druck zu veröffentlichen gedenke,
in welchem neben der Schilderung des Gegenstandes auch alle jene Personen
genannt werden sollen, die bei der kunstgewerblichen Arbeit betheiligt wa-
ren“.695 Eitelberger wurde aufgefordert, das Unternehmen mit seiner Fach-
kenntnis zu unterstützen. Dieser wiederum sagte grundsätzlich zu, bedauerte
jedoch, zum damaligen Zeitpunkt ans Bett gefesselt zu sein.696 Weitere Akten,
Vorarbeiten oder gar ein gedruckter Katalog zu den Adressen sind nicht be-
kannt, sodass sich wohl auch diese Initiative im Sand verlaufen hatte.
Damit war das Interesse an den Huldigungsadressen von 1879 aber noch
nicht erloschen. Am 12. Jänner 1880 wandte sich Eitelberger seinerseits
schriftlich an Becker mit der Aufforderung, „die künstlerisch bedeutenden
693 Zum Österreichischen Kunstverein siehe Springer, Kulturleben, 44–52.
694 Wiener Zeitung, Nr. 127 v. 01.06.1879, 3. Zuvor ließ der Österreichische Kunstverein am
11.05. inserieren, dass sich die Eröffnung der Ausstellung verzögere, „da die Sammlung
und Ordnung derjenigen Geschenke und Widmungen, welche Ihre Majestäten anläßlich
der silbernen Hochzeit erhalten haben […] noch einige Zeit in Anspruch nimmt“ (Wiener
Zeitung, Nr. 110 v. 11.05.1879, 3).
695 FKBA29039, fol. 1r.
696 Ebenda, fol. 1r und fol. 2r.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken