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BIBLIOTHEK UND ÖFFENTLICHKEIT 623
ten würde. Attems erläutert den genauen Aufbau der Vitrinen eingehend
anhand beigefügter Skizzen. Zuletzt bittet er um Auskunft bezüglich der
folgenden, undeutlich zum Ausdruck gebrachten Problematik: „Die Haupt-
sache ist nun zu wissen ob ein beiläufiges Ausmaß von 60 u 10qm mit den
sachartigen [?] Intentionen übereinstimmt.“710 Dass damit einfach nur ge-
meint ist, ob die Zahl der Huldigungsadressen, die entlehnt werden könnten,
groß genug wäre, um die großzügig bemessenen Legeflächen auszufüllen,
geht aus Beckers Antwortschreiben hervor. Dieser erwiderte nämlich ein
wenig spöttisch, man hätte die „angeregte Frage bezüglich der auszustel-
lenden Adressen und des für dieselben im Ausstellungsgebäude reservier-
ten Raumes einer reiflichen Überlegung unterzogen“.711 Da er nach seinem
Dafürhalten „nur solche Adressen zur Ausstellung beantragen kann, deren
äußere Ausstattung einen hervorragenden künstlerischen Wert besitzt, und
[weil] die mit einfachen Enveloppen versehenen sich zum genannten Zwecke
nicht eignen“, wäre lediglich eine Fläche von 40 m2 mit diesen Objekten be-
füllbar. Dieser Auskunft fügte Becker noch „die aufrichtige Versicherung bei,
dass ich dem von Euer Hochgeboren mit der Ausstellung angestellten Zweck
sorgsam im Auge behalte und gewiß darauf bedacht sein werde den gehegten
Intentionen jede mögliche Unterstützung zu gewähren.“712 Das war anschei-
nend tatsächlich aufrichtig gemeint; denn drei Tage später, am 14. Juli, mel-
dete sich Becker noch einmal bei Attems mit der Bekanntgabe, dass er mit
dem Museum für Kunst und Industrie ausgehandelt hätte, dass die zu die-
ser Zeit dort ausgestellten 39 Adressen am 1. August dem steiermärkischen
Verein zur Förderung der Kunstindustrie für die Ausstellung in Graz über-
geben werden würden. Es wäre bei dieser Gelegenheit auch möglich „durch
die Art, wie die Adressen im Museum ausgestellt sind, eine fruchtbare Er-
fahrung für die Grazer Ausstellung zu gewinnen.“713 Jene Huldigungsadres-
sen, die er selbst aus den in der Fideikommissbibliothek verbliebenen als
Leihobjekte ausgewählt hatte, könnten in deren Räumlichkeiten besichtigt
werden, wofür Becker um Bekanntgabe eines Termins bat.714 – Ob Graf At-
tems letztlich in der Fideikommissbibliothek vorstellig wurde, ist nicht be-
kannt. Es existiert auch kein Nachweis dafür, dass mit den Adressen aus
dem Museum für Kunst und Industrie schließlich doch alle vorgesehenen
Vitrinen befüllt werden konnten. Insgesamt wurden 68 Objekte nach Graz
710 Ebenda fol. 8r.
711 Ebenda, fol. 9r.
712 Ebenda, fol. 9v.
713 Ebenda, fol. 10r.
714 Ebenda, fol. 10v.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken