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KAISERLICHES INSTITUT UND
ERINNERUNGSRAUM630
Zur Publikation von Huldigungsadressen
Ausstellungen waren nicht die einzige Möglichkeit, um Huldigungsadres-
sen und deren kunstvollen Verpackungen einem größeren Rezipientenkreis
zugänglich zu machen. Es gab auch verschiedene Initiativen zur Veröffent-
lichung der Objekte durch fotografische Reproduktionen in gedruckten Pu-
blikationen. Dies hatte ja bereits Becker in seinem Vorschlag für ein Denk-
buch anlässlich der Feier des 25-jährigen Regierungsjubiläums des Kaisers
angeregt. Prinzipiell gab es zwei Gruppen, die an dieser Form der Publika-
tion aufgrund unterschiedlicher Motive interessiert waren: Auftraggeber von
Adressen, die damit ihre Kaisertreue und ihr Mäzenatentum öffentlich be-
kunden wollten, und Institutionen, denen an der bildlichen Dokumentation
der Entwicklung und der Leistungen der heimischen Kunstindustrie gelegen
war. Wichtigster Repräsentant der ersten Kategorie ist die Stadt Wien, die
ihre Huldigungsadresse anlässlich der silbernen Hochzeit des Kaiserpaares
in dem Prachtwerk „Huldigungs-Festzug der Stadt Wien“ reproduzieren
ließ.746 Diese Publikation war der literarischen und bildlichen Dokumenta-
tion des von der Stadt veranstalteten und von Hans Makart konzipierten
historischen Festzugs gewidmet.747 Bemerkenswerterweise ist sie in den Be-
ständen der Fideikommissbibliothek gar nicht nachweisbar. Der Einband
der Adresse von 1879 wurde wie jene, die die Gemeindevertretung später
anlässlich des Regierungsjubiläums und des 70-jährigen Geburtstages des
Kaiser 1898 und 1900 anfertigen ließ, von Josef von Storck entworfen.748
(Das Museum für Kunst- und Industrie ließ denselben Einband später noch
einmal abbilden, nämlich in seinem ab 1893 veröffentlichten Prachtwerk
„Arbeiten der österreichischen Kunst-Industrie 1868–1893“, das anlässlich
des 25-jährigen Bestehens der Kunstgewerbeschule herausgegeben wurde
und zahlreiche Entwürfe von Storck enthält, der auch als Redakteur fun-
gierte.749) Erwähnen wir noch, dass die Stadt Wien außerdem ihre Huldi-
746 Huldigungs-Festzug der Stadt Wien zur Feier der silbernen Hochzeit Ihrer Majestäten des
Kaisers Franz Joseph I. und der Kaiserin Elisabeth (27. April 1879.) Hg. vom Gemeinde-
rathe der Reichshaupt-und Residenzstadt Wien. Wien 1880. Zum Ansuchen, das von Bür-
germeister Julius von Newald persönlich am 13.02.1880 an Becker gerichtet wurde, siehe
FKBA29053.
747 Aus der umfangreichen Literatur zum „Makart-Festzug“ seien Hecher, Makart, und Te-
lesko, Makart-Festzug, zitiert. Umfassende Bidldokumentationen zu den Entwürfen und
Kostümen des Festzuges enthalten die Kataloge der beiden Makart-Ausstellungen von
2000 und 2011: Makart, Malerfürst, 170–317; Gleis, Makart, 230–259.
748 Eine ausführliche Beschreibung der Huldigungsadresse findet sich im Local-Anzeiger der
„Presse“, Beilage zu Nr. 110 v. 22.04.1879, 8.
749 FKBA34107; Wiener Zeitung, Nr. 230 v. 07.10.1893, 2f., u. Nr. 231 v. 09.10.1893, 5. Aus-
geführt wurde der Einband vom Ledergalanteriewarenerzeuger Paul Pollack, er befand
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken