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KAISERLICHES INSTITUT UND
ERINNERUNGSRAUM632
obwohl er sie auch selbst aus den Adressen oder aus deren Verzeichnissen
in der Fideikommissbibliothek eruieren können.752 Der Fall liegt anschei-
nend doch ein wenig anders als bei der Stadt Wien. Offensichtlich wollte
die Redaktion die Huldigungsadressen nicht abbilden, sondern lediglich in
einem der zahlreichen historischen Aufsätze des Sammelwerkes erwähnen
oder besprechen lassen. Eine Autopsie der „Geschichte der Eisenbahnen der
österreichisch-ungarischen Monarchie“ hat diesbezüglich zu keinem Ergeb-
nis geführt.753 Möglicherweise wurde das Vorhaben aufgegeben, nachdem
die Bibliotheksleitung keine Informationen zur Verfügung gestellt hatte und
weiterführende Recherchen von der Redaktion unterblieben.
Huldigungsadressen wurden außerdem in kunstgeschichtlichen Abbil-
dungswerken reproduziert. Die Jubiläumspublikation der Kunstgewerbe-
schule des Museums für Kunst und Industrie wurde bereits erwähnt. Spe-
zifischer war das Vorhaben, mit dem sich der Verleger Anton Schroll am
21. September 1892 an Bibliotheksdirektor Zhishman gewandt hat.754 Er
wollte „eine Anzahl der Adressen – anlässlich der bevorstehenden Ausstel-
lung [in der Fideikommissbibliothek] – durch Lichtdruck-Verfahren […] pu-
blizieren“. Vorrangiger Zweck war ihm dabei, „den hier betheiligten Zweigen
des Kunstgewerbes eine Anzahl mustergültiger Vorlagen zu liefern, an wel-
chen bisher Mangel ist.“755 Hier werden also nahezu gleichlautende Beweg-
gründe angeführt, wie wir sie weiter oben bei der Besprechung der Kunst-
gewerbeausstellungen bereits zu Genüge kennengelernt haben. Schroll
erwähnt außerdem, dass er „ähnliche Publikationen schon aus den Samm-
lungen des k. k. öst. Museum’s für Kunst u. Industrie veranlasst“ hatte,756
und bittet um eine persönlich Unterredung mit Zhishman. Weitere Spuren
zu dieser Initiative existieren nicht.
Letztendlich erfolgreich war hingegen ein anderes, zwei Jahre später in
Angriff genommenes Vorhaben, das auf die Veröffentlichung der eigentlichen
Huldigungsadressen, also die Inhalte der prachtvollen Kassetten, abzielte,
die bisher kaum im Fokus des öffentlichen Interesses gestanden waren: Der
752 Ebenda, fol. 6r.
753 Das Werk befindet sich in der Fideikommissbibliothek in zwei Exemplaren mit der alten
Bibliothekszahl FRANZ 41.294 (moderne Signatur: 281907-D.5). Aus zeitlichen Gründen
kommt für die Erwähnung der Huldigungsadressen wohl nur der 1899 erschienene, 4.
Band in Frage.
754 Zu Anton Schroll (1854–1919), dessen Verlagsbuchhandlung in Wien seit 1884 bestand,
siehe ÖBL, Bd. 11 (1998), 251f.
755 FKBA33153.
756 Gemeint sind damit vermutlich zwei von Jacob Falke verfasste Werke zu Holzarbeiten aus
den Jahren 1893 und 1894: Holzschnitzereien. Eine Auswahl aus der Sammlung des K.k.
Österr. Museums (Wien 1893); Mittelalterliches Holzmobilar (Wien 1894).
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken