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BIBLIOTHEK UND ÖFFENTLICHKEIT 643
erstattete der Bibliotheksleiter der Generaldirektion des Allerhöchsten Fami-
lienfonds seinen Bericht über die Eröffnung der Ausstellung, in dem er die
Zeitungsartikel nach bestimmten Kriterien selektiv auswertete.798 Zhishman
ging es dabei darum, den Erfolg der Ausstellung mit ihrem Prestigewert für
das Herrscherhaus zu verbinden. Es sind vier Aspekte, die er hervorhebt. So
wird nach seiner Einschätzung „in allen Berichten […] vorerst des hochher-
zigen Entschlußes des gnädigsten Monarchen gedacht, durch welchen diese
hochinteressanten Sehenswürdigkeiten dem Publikum zugänglich gemacht
werden; wie sich die Allerhöchste Munifizenz in dieser Verfügung wieder in
der schönsten Weise bethätigt habe und wie namentlich Wien dafür dankbar
sein müsse.“799 Gewissermaßen komplementär dazu verhält sich die Zusam-
menfassung der ideellen Bewertung und Deutung der Huldigungsadressen,
die durch Aneinanderfügen von Zitaten aus zwei Zeitungen konstruiert ist:
„Hinsichtlich der Adressen wird das dynastische Moment hervorgehoben.
Darnach bilden sie ein Museum, errichtet durch die Unterthanentreue aller
Völker der Monarchie (Fremdenblatt), sie markieren jeden großen Gedenk-
tag, an dem die Völker Österreichs eine Festfeier des geliebten Herrschers
mitbegangen haben (Presse); in ihnen seien alle bedeutenden Ereignisse, wel-
che die allerhöchste Person und deren Familie berührt haben, wie in einer
Prachtchronik verewigt (Fremdenblatt).“800 Diese beiden Punkte betreffen
also die mutmaßliche öffentliche Wirkung der Ausstellung im Sinne allgemei-
ner reichs patriotischer Einstellungen. Des Weiteren hat Zhishman mehrere
Phrasen aus dem Artikel in „Die Presse“ zitiert, mit denen die Einrichtung
der Bibliothek, die Aufstellung der Bücher und die Präsentation der Huldi-
der Bibliothek ein eingehendes Studium, bei welchem sie durch die Bibliotheksbeamten
unterstützt wurden.“
798 FKBA33165, fol. 20r–v; Zhishman erwähnt darin sieben Periodika, deren Berichte ich in drei
Fällen auffinden konnte. Wie sich aus dem Textabgleich ergibt, hat der Bibliotheksdirek-
tor zahlreiche Formulierungen daraus (gänzlich oder teilweise) im Wortlaut übernommen
und zu neuen Sätzen zusammengefügt. Die mit Abstand meisten der verwendeten Phrasen
stammen aus „Die Presse“ (Nr. 113 v. 25.04.1893, 1–2, Feuilleton). Artikel zur Ausstellung in
der Fideikommissbibliothek finden sich auch in der „Wiener Zeitung“ (Nr. 94 v. 25.04.1893,
4) und in „Das Vaterland“ (Nr. 116 v. 28.04.1893, 1–3, Feuilleton). Zhishman erwähnt diese
Blätter zwar nicht, zitiert aber den Einleitungssatz im letzteren ziemlich wörtlich.
799 FKBA33165, fol. 20r; Der erste Teil dieser Formulierung paraphrasiert den Einleitungssatz
des Artikels in „Das Vaterland“ (Nr. 116 v. 28.04.1893, 1). Die „Munifizenz“ des Kaisers
wird zwar auch in anderen Berichten gelobt, doch ist dies keineswegs überall der Fall, und
wenn, dann meist nicht an erster Stelle.
800 FKBA33165, fol. 20r; Der Bericht im Fremdenblatt (Nr. 189 v. 1893) stammt vom Schrift-
steller Ernst Keiter, der nach der Übersiedlung 1890/91 bei der Umsignierung von Buchbe-
ständen in der Fideikommissbibliothek mitarbeitete (vgl. Abschnitt 1.5.1.).
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken