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KAISERLICHES INSTITUT UND
ERINNERUNGSRAUM644
gungsadressen gelobt werden.801 Schließlich geht er noch darauf ein, was in
den Zeitungen zu den Huldigungsadressen im Hinblick auf ihre künstlerische
Gestaltung gesagt wird. Das ist bei unvoreingenommener Auswertung der
einzelnen Artikel auch der qualitative und quantitative Schwerpunkt der Be-
richterstattung. Zwei Aspekte hob Zhishman daraus hervor: den hohen künst-
lerischen und materiellen Wert der Objekte und den Umstand, dass durch die
Präsentation der Adressen „in ihrer chronologischen Reihenfolge […] ein über-
sichtliches u. geordnetes Bild von der unter der kunstfördernden Regierung
Kaiser Franz Josef I. zu hoher Entwicklung gediehenen Kunstarbeit, [und]
der Einfluß, welchen dabei das Kunstgewerbe-Museum auf die Läuterung
des Geschmacks ausgeübt hat“, den Besuchern vor Augen geführt werden.
Es geht hier also um die Darstellung der progressiven Entwicklung des ös-
terreichischen Kunstgewerbes anhand einer spezifischen Objektklasse. Dass
dabei auch das Österreichische Museum für Kunst und Industrie und seine
fördernde Tätigkeit Erwähnung finden, ist angesichts der oben dargestellten
Verbindung zwischen der öffentlichen Rezeption der Huldigungsadressen und
dem Museum nicht verwunderlich. In den Zeitungsberichten findet man so-
wohl Hinweise auf seine Wirksamkeit im Bereich der Kunstindustrie als auch
auf den Umstand, dass Teile der Adressensammlung bereits mehrfach im Mu-
seum für Kunst und Industrie ausgestellt waren.802
Nach Zhishmans Bericht haben sich an den ersten vier Besuchstagen 234
Personen in der Sammlung eingefunden. Die Zahl der ausgegebenen Eintritts-
karten war aus Platzgründen pro Tag mit 50 Stück limitiert worden. Die hö-
here durchschnittliche Besucherzahl erklärt der Bibliotheksdirektor damit,
dass „für Familien und kleinere Gesellschaften gemeinsame Eintritts-Karten
ausgefertigt werden“.803 Bis zum Ende des Jahres besichtigten insgesamt 659
Personen die Bibliothek an 46 Einlasstagen, was eine durchschnittliche Zahl
von vierzehn bis fünfzehn Besuchern pro Tag ergibt. Der Andrang hielt sich
also in Grenzen. Außer dem Kaiser hatten in diesem Jahr auch die Erzherzöge
Rainer (31. 1.) und Ludwig Viktor (27. 4.) die Sammlung besichtigt.804
Die Ausstellung im Augustinergangtrakt blieb nur ungefähr ein Jahr ge-
öffnet. Während dieser Zeit wurden laufend Annoncen zu den Öffnungszeiten
und zu den Besichtigungsmodalitäten in Wiener Tageszeitungen publiziert.805
801 FKBA33165, fol. 20r; Die Presse, Nr. 113 v. 25.04.1893, 1.
802 Die Presse, Nr. 113 v. 25.04.1893, 1; Neue Freie Presse, Nr. 10.298 v. 25.04.1898, 6; Ext-
rapost, Nr. 588 v. 24.04.1898, 3.
803 FKBA33165, fol. 20v; Dem Akt liegt außerdem eine Liste der Namen von sechs Gardeoffi-
zieren bei, die insgesamt 24 Eintrittskarten beantragt hatten (fol. 18r).
804 Die Angaben stammen aus dem Verwaltungsbericht für das Jahr 1893 (FKBA34073).
805 FKBA34048: undatierter Entwurf für den Text des Inserates; er findet sich ab 7. Septem-
ber 1893 bis 15. März 1896 in monatlichen Abständen in der Wiener Zeitung.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken