Page - 646 - in Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 - Metamorphosen einer Sammlung
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KAISERLICHES INSTITUT UND
ERINNERUNGSRAUM646
vor allem zwischen den Direktoren Rudolf von Eitelberger und Khloyber bzw.
Becker. Ausgestellt wurden im Österreichischen Museum nicht allein Hul-
digungsadressen, sondern auch Bucheinbände, Porträts und Blätter aus der
Lavatersammlung, Wappen- und Turnierbücher, chinesische Handzeichnun-
gen sowie Handschriften, Inkunabeln und Miniaturen aus der Fideikommiss-
bibliothek, darunter das Fechtbuch Albrecht Dürers.810 Die räumliche Nähe
zwischen den beiden Institutionen – das Museum für Kunst und Industrie
war bis zu seiner Übersiedlung in den Neubau am Ring (1875) im Ballhaus
neben der Minoritenkirche untergebracht – dürfte diesen regen Austausch
von Objekten begünstigt haben. Die Kenntnis zu den besagten Ausstellungs-
aktivitäten stammt jedoch hauptsächlich aus Zeitungsartikeln; es existiert
kein Aktenmaterial im Archiv der Fideikommissbibliothek, dass über die Mo-
dalitäten des Leihverkehrs und die Kommunikationswege Aufschluss gibt.811
Solche Quellen liegen erst aus den Jahren 1871 und 1872 vor, und zwar
anlässlich des Leihverkehrs im Rahmen der Wiener Weltausstellung. Die
Fideikommissbibliothek stellte damals topografische Ansichten und Por
träts
zur Verfügung, u. a. für eine Sonderschau, die die Entwicklung der Stadt
Wien dokumentieren sollte. Bürgermeister Cajetan Felder und der General-
direktor der Weltausstellung, Wilhelm von Schwarz-Senborn, hatten zuvor
in der Kabinettskanzlei bzw. bei Becker um Überlassung der Objekte ange-
sucht. Der Verleih erfolgte schließlich mit kaiserlicher Genehmigung.812
Ab den späten 1870er Jahren war die Fideikommissbibliothek in dichter
Folge Leihgeber für befristete Ausstellungen. Bis zum Ersten Weltkrieg wur-
den bei über siebzig solcher Gelegenheiten Objekte aus der Sammlung an
verschiedenen Orten des In- und Auslandes präsentiert (vgl. Tabelle 3). Da-
mit übertraf die Fideikommissbibliothek die Hofbibliothek beim Leihverkehr
für Ausstellungszwecke um mehr als das Doppelte.813 Was die Orte der Aus-
stellungen betrifft, so war Wien mit rund fünfzig Veranstaltungen, die sich
über den gesamten Zeitraum gleichmäßig verteilen, mit großem Abstand
Spitzenreiter. In sechs weitere Städte der Monarchie wurden außerdem
Leihobjekte versandt, nach Budapest, Brünn und Graz sogar zwei-, drei-
bzw. viermal. Hingegen ist weder bekannt, dass Bestände aus der Fideikom-
810 Neue Freie Presse, Nr. 187 v. 07.03.1865, 4; Fremden-Blatt, Nr. 108 v. 20.04.1865, 5; Neue
Freie Presse, Nr. 411 v. 20.10.1865, 5; Wiener Zeitung, Nr. 251 v. 12.10.1866, 167; Wie-
ner Zeitung, Nr. 297 v. 01.12.1870, 812. Zum Fechtbuch (Wien, Albertina, Inv.-Nr. 26.232:
Ring- und Fechtbuch) siehe Abschnitt 2.2.3 dieses Beitrags.
811 FKBA26084 enthält lediglich eine Liste der entlehnten Objekte und eine Empfangsbestäti-
gung vom Österreichischen Museum.
812 FKBA27030, FKBA27037.
813 Zur Beteiligung der Hofbibliothek an externen Ausstellungen siehe Stummvoll, Hofbiblio-
thek, 467, 480, 492f., 512–515, u. Kaltwasser, Bibliothek, 224–227 u. 240–266, passim.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken