Page - 665 - in Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 - Metamorphosen einer Sammlung
Image of the Page - 665 -
Text of the Page - 665 -
BIBLIOTHEK UND ÖFFENTLICHKEIT 665
konkrete Auswahl der Objekte erfolgte. Es gab zwar Fälle, in denen wegen
bestimmter Leihgaben angefragt wurde, die den Kustoden der Ausstellung
bereits bekannt waren; doch das war eher die Ausnahme.840 Meist wurde das
Ausstellungsprogramm übersandt und wegen des Vorhandenseins passen-
der Objekte angefragt bzw. um eine Zusammenstellung solcher angesucht.
Häufig wurden auch Wunschlisten formuliert, in denen Werke einer be-
stimmten Gattung oder eines bestimmten Inhaltes angeführt wurden, ohne
dass dabei auf individuelle Objekte referiert wurde. Das typische Beispiel
dafür ist das Verzeichnis von Personen, von denen man Bildnisse ausstellen
wollte, für deren Bereitstellung die Fideikommissbibliothek mit ihrer riesi-
gen Porträtsammlung natürlich prädestiniert war.841 Die Zusammenstellung
der Leihobjekte erfolgte dann entweder durch die Beamten der Sammlung
oder durch den Kurator bzw. einen Mitarbeiter der Ausstellung, letzteres
entweder auf ausdrücklichen Wunsch oder nach Aufforderung durch den
Leiter der Fideikommissbibliothek.842
Bei einigen Ausstellungen baten die Veranstalter um die Erlaubnis, Leih-
gaben fotografieren zu dürfen, etwa für die Herstellung von Erinnerungs-
alben, seltener auch für Abbildungen in Ausstellungskatalogen. Die Leiter
der Fideikommissbibliothek genehmigten dies üblicherweise zu den für die
Herstellung von fotografischen Reproduktionen allgemein gültigen Konditi-
onen (vgl. Abschnitt 2.2.2): in einem Wiener Atelier, unter der Aufsicht eines
Bibliotheksdieners und unter der Bedingung, dass Abzüge der Aufnahmen
an die Sammlung abgegeben würden.843
Schließlich musste auch der Transport und die Aufstellung der Objekte
organisiert werden, was üblicherweise durch den Leihnehmer geschah. Bei
größeren Veranstaltungen war es jedoch zuweilen Usus, dass die Abwick-
lung des Leihverkehrs durch die teilnehmende Institution zu erfolgen hatte,
wobei die Kosten dafür meist ersetzt wurden. In vielen Fällen, und zwar ge-
rade bei den großen Ausstellungen, gab es jedenfalls detaillierte Satzungen
zur Durchführung von Transport, Aufstellung und Rücknahme der Objekte.
Es würde zu weit führen, auf die Details dieser Bestimmungen und deren
Umsetzung in extenso einzugehen. Nur ein Punkt soll uns hier des Interes-
ses halber näher interessieren: die Frage des Schutzes der Leihobjekte.
Versicherungen wurden bei Ausstellungsbeteiligungen der Fideikommiss-
bibliothek erst in späterer Zeit abgeschlossen, und zwar im Hinblick auf drei
840 FKBA33113, fol. 18r; FKBA42044, fol. 3r; FKBA42064, fol. 8r.
841 FKBA32126; FKBA35026.
842 FKBA27037, fol. 5v; FKBA30091; FKBA32017, fol. 7r.
843 FKBA30070, fol. 32r u. 33v, FKBA30130; FKBA33151; FKBA34142; FKBA36024;
FKBA42044.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken