Page - 666 - in Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 - Metamorphosen einer Sammlung
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KAISERLICHES INSTITUT UND
ERINNERUNGSRAUM666
Arten der Gefährdung der Leihobjekte: gegen Transportschäden, Diebstahl
und wegen Feuergefahr während der Dauer der Ausstellung. Nachweisbar
ist dies erst seit den 1880er Jahren. Davor war es möglicherweise noch nicht
üblich, Versicherungen bei Ausstellungen abzuschließen, worauf auch die
stets gegebene Beteuerung der Veranstalter hindeutet, die entlehnten Ob-
jekte in unversehrtem Zustand zurückzustellen.844 Für die Fideikommiss-
bibliothek war die Sorge um den Erhalt ihrer Objekte natürlich eines der
vorrangigen Probleme, wenn es darum ging, diese aus der Sammlung zu
entlehnen. Es kam deswegen auch vor, dass die Beteiligung an einer Aus-
stellung mit dieser Begründung abgelehnt wurde.845 Bei der Rückgabe von
entlehnten Objekten wurde jedenfalls immer genau festgehalten, ob diese
in unversehrtem Zustand waren, und es sind bei diesen Gelegenheiten auch
Zwischenfälle dokumentiert, wo dies nicht der Fall war.846
1882 und 1883 sind erstmals Beispiele für den Abschluss von Versiche-
rungen in den Quellen dokumentiert. Im zuerst genannten Jahr wurden die
Schaustücke in der „Ausstellung zur Feier der Einführung der Buchdru-
ckerkunst in Wien“ gegen Feuer versichert und als das Ausstellungskomi-
tee zu diesem Zweck eine Schätzung des Wertes der Leihgaben vornahm,
erklärte sich Becker mit dem ermittelten Wert vollkommen einverstanden.
Zuvor hatte der Bibliotheksdirektor noch in seinem Gesuch an Kabinetts-
direktor Braun formuliert, dass, „da die Ausstellung im K. K. Museum [für
Kunst und Industrie] stattfindet […] eine Besorgnis bezüglich irgendwelcher
Schwierigkeiten des Transportes oder der Verwahrung während der Ausstel-
lung nicht besteht“, diesen Passus aber nachträglich aus dem Konzept ge-
strichen.847 Offensichtlich bestand zum Österreichischen Museum für Kunst
und Industrie aber ein besonderes Vertrauensverhältnis. Jedoch gab es noch
im gleichen Jahr Probleme, als das Museum sieben Huldigungsadressen ent-
lehnte und im Rahmen einer Ausstellung in Triest zur Schau stellte: Eine
davon erlitt einen Wasserschaden, nachdem der Schirokko das Ausstel-
lungsgebäude verwüstet hatte.848 Eine Vergütung des Schadens erfolgte aller
Wahrscheinlichkeit nach nicht. Im darauffolgenden Jahr (1883) übernahm
844 Noch im Jahr 1888 begründete Bibliotheksdirektor Zhishman seine Unterstützung eines
Gesuchs des Ledergalanteriewaren-Erzeugers Paul Pollack, sechs von ihm hergestellte
Huldigungsadressen zu Ausstellungszwecken zu entlehnen, damit, dass „der genannte
Bittsteller für die ihm anzuvertrauenden Kunstobjecte volle Garantie leistet und da
Praecedenzfälle vorliegen, in denen ähnlichen Gesuchen mit Allerhöchster Genehmigung
willfahrt worden ist“ (FKBA32020, fol. 2r).
845 FKBA29077, FKBA34049, FKBA35119.
846 FKBA30042, FKBA32126, FKBA37261, fol. 11r.
847 FKBA30055, fol. 20v.
848 FKBA30042, fol. 3v.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken