Page - 667 - in Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 - Metamorphosen einer Sammlung
Image of the Page - 667 -
Text of the Page - 667 -
BIBLIOTHEK UND ÖFFENTLICHKEIT 667
die Stadt Wien für die Historische Ausstellung anlässlich des 200-jährigen
Jubiläums der zweiten Türkenbelagerung die Kosten für die Transportversi-
cherung und schloss selbst eine Brandschutzversicherung bei der Assicura-
zione generali in Triest ab.849
Versicherungen für Leihgaben wurden nach diesen Vorfällen zunächst
aber anscheinend nicht sofort gängige Praxis. Im Jahr 1887 waren etwa bei
der Ausstellung „Kirchliche Kunst“ im Museum für Kunst und Industrie be-
sonders wertvolle Objekte aus der Fideikommissbibliothek (Handschriften,
Inkunabeln, Elfenbeinschnitzereien) zu sehen, ohne dass im entsprechen-
den Akt der Abschluss einer Versicherung dokumentiert ist.850 Im Jahr 1891
gab es jedoch einen Vorfall mit Folgen. Damals wurde nämlich bei vier Por-
trätgrafiken, die für eine Grillparzer-Ausstellung in Wien entlehnt worden
waren, bei der Rückgabe festgestellt, dass ihre Ränder eingerissen und teil-
weise gebrochen waren. Die Direktion der Wiener Stadtbibliothek, in der die
Ausstellung stattgefunden hatte, erklärte sich daraufhin bereit, eines der
Blätter durch „ein intaktes dem entlehnten vollständig gleiches Exemplar“
zu ersetzen.851
Offensichtlich aufgrund dieser Episode war Bibliotheksdirektor Zhishman
zunächst nicht mehr bereit, auf die Sorgfalt der Veranstalter von Ausstel-
lungen im Umgang mit Leihobjekten allein zu vertrauen. Zumindest bei drei
der sechs nachfolgenden Ausstellungen, an denen sich die Fideikommissbib-
liothek in der Zeit seiner Direktion noch beteiligte, wurde ein Versicherungs-
wert für die entlehnten Objekte festgelegt.852 Bei den übrigen ist wiederum
nur von „Garantien“, die der Leihnehmer übernimmt, und von „ausreichen-
den Vorsichtsmaßregeln“ die Rede.853 Besonders aufschlussreich ist das Bei-
spiel der „Internationalen Ausstellung für Musik- und Theaterwesen Wien
1892“, bei der die Fideikommissbibliothek mit über 1.000 Objekten vertreten
war. Hier verlangte Direktor Zhishman „eine von der löblichen Centrallei-
tung unterfertigte Empfangsbestätigung, welche mit der notariellen Clausel
über die Versicherung gegen Elementarschäden (Feuer und Wasser) verse-
hen ist […], wie dies bei der k. k. Hofbibliothek bereits geschehen ist“, und
„2 Stück Permanenzkarten für den jederzeitigen Eintritt […] behufs Über-
wachung der dortselbst aufgestellten der Bibliothek gehörigen Gegenstände
849 FKBA30070, fol. 27.
850 FKBA31066. Ebenso 1888 anlässlich der Maria-Theresia-Ausstellung (FKBA32017). 1889
wird die Entlehnung von Huldigungsadressen für eine Jubiläumsausstellung im Österrei-
chischen Museum für Kunst und Industrie „unter den gewöhnlichen Vorsichten“ gewährt.
(FKBA32053, fol. 7r).
851 FKBA32126, fol. 10r u. 12r (Zitat).
852 FKBA33012, FKBA33113, FKBA33140.
853 FKBA34013, FKBA34038.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken