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KAISERLICHES INSTITUT UND
ERINNERUNGSRAUM668
durch die Bibliotheksbeamten.“854 Das Ausstellungskomitee übersandte da-
raufhin eine ausführliche Erklärung mit einer Reihe von Zugeständnissen:
Der Abschluss einer Brandschutzversicherung und das Aufkommen für die
Kosten etwaiger Schäden wurden ebenso zugesichert wie die Bereitschaft,
auf Beanstandungen seitens der Fideikommissbibliothek jederzeit einzu-
gehen. Außerdem wurde auf die Entlehnung besonders wertvoller Objekte
(Manuskripte, Autographen, seltene Drucke) verzichtet und die Übernahme
sämtlicher Kosten zugesagt.855 Nach einer Mahnung durch Direktor Zhish-
man wurde auch die notariell beglaubigte Übernahmebestätigung nachge-
reicht,856 wobei allerdings das Auftauchen von Differenzen beim Abgleich der
Objektverzeichnisse weitere Unstimmigkeiten nach sich zog.857
Doch es gab auch in der nachfolgenden Zeit anscheinend keine vorge-
schriebenen Versicherungsrichtlinien seitens der Fideikommissbibliothek.
Aufgrund ausgewählter Fallbeispiele soll illustriert werden, wie im Hinblick
auf diese Problematik scheinbar völlig willkürlich und den jeweiligen aktuel-
len Gegebenheiten angepasst verfahren wurde.
Für die für die Ausstellung „Goethe und Frankfurt“ (1895) entlehnten
Porträtgrafiken forderte Bibliotheksleiter Alois Karpf lediglich „sorgsame
Überwachung“ und „sorgfältige Rückstellung“.858 Als das Freie Deutsche
Hochstift vier Jahre später eine weitere Gedenkschau zu Ehren des Dichters
in dessen Geburtsstadt veranstaltete und dabei von sich aus die Übernahme
von Versicherungskosten anbot, gab Karpf den Versicherungswert für jede
der 18 entlehnten Porträtzeichnungen gleichlautend mit 100 fl. an.859
Über den Abschluss einer Versicherung für die in großer Menge an die
„Wiener-Congress-Ausstellung“ im Museum für Kunst und Industrie ent-
lehnten Objekte ist aus dem relevanten Akt nichts zu entnehmen. Doch hat
jemand mit Bleistift auf einem Konzept vermerkt: „Assecuranz?“.860 Als drei
Jahre später am gleichen Ort 38 anlässlich des 50-jährigen Regierungsju-
biläums des Kaisers angefertigte Huldigungsadressen zur Schau gestellt
wurden, wurde lediglich beteuert, „dass seitens des Museums Nichts ver-
absäumt werden wird, das kaiserliche Eigenthum vor jeglichem Schaden zu
bewahren“.861
854 FKBA33113, fol. 22r u. 23r. Zur Ausstellung siehe Antonicek, Ausstellung.
855 FKBA33113, fol. 27–28.
856 FKBA33113, fol. 29 u. 31.
857 FKBA33113, fol. 33–35.
858 FKBA34142, fol. 8r.
859 FKBA35244, fol. 1r u. 5r.
860 FKBA34149, fol. 37r.
861 FKBA35208, fol. 2r–v.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken