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KAISERLICHES INSTITUT UND
ERINNERUNGSRAUM674
Bildgedächtnis dieses Ereignisses und des größeren geschichtlichen Zusam-
menhanges zu repräsentieren.886 Denn Kaiser Franz I., der sowohl der Gast-
geber des Kongresses war als auch der Gründer der Sammlung, war stets
auch darauf bedacht gewesen, Bild- und Schriftquellen zur Zeitgeschichte
für die letztere zu erwerben.887 Nachdem sich die Direktion des Österreichi-
schen Museums mit der Bitte um Unterstützung der Ausstellung durch die
Fideikommiss bib liothek am 12. Februar an die Generaldirektion gewandt
hatte und Karpf eine Woche später davon informiert worden war, begrüßte
jener „dieses die vaterländische Geschichte und Kunst betreffende Unter-
nehmen“ geradezu euphorisch und ließ es sich nicht nehmen, innerhalb von
zwei Monaten eine umfangreiche Kollektion von Exponaten zum Wiener
Kongress aus den Sammlungsbeständen zusammenzustellen und „in den
Räumen der Bibliothek zur Besichtigung“ aufzulegen.888
Doch die Initiative des Bibliotheksleiters stieß bei den Veranstaltern der
Ausstellung anscheinend auf wenig Resonanz. Am 28. Juni übermittelte das
Museum mehrere Listen, auf denen hunderte Personen verzeichnet waren,
die am Wiener Kongress teilgenommen oder sich damals in Wien aufge-
halten hatten, sowie Musiker, Künstler und Verleger der Zeit, von denen
man offensichtlich ebenfalls Porträts ausstellen wollte.889 Am 7. November
wurde Karpf vom Museum für Kunst und Industrie gebeten, „das Verzeich-
nis Ihrer Beiträge zur Congr. Austellung einzusenden“, welchem Wunsch
der Bibliotheksleiter am 18. des Monats nachkam.890 Am 27. November 1895
teilte der Direktor des Museums für Kunst und Industrie, Bruno Bucher,
Karpf mit, „daß das Verzeichnis der für die Wiener-Congress-Ausstellung
aus der k. und k. Familien-Fideicommiß-Bibliothek ausgewählten Objecte
Sr. Excellenz dem Herrn Generaldirector der Allerhöchsten Privat- und Fa-
milien-Fonde Freiherrn von Chertek mit dem Ersuchen unterbreitet wurde,
die Ausfolgung dieser Objecte hochgeneigtest ehestens anordnen zu wollen“,
und dankte dem Bibliotheksleiter für seine Arbeit in höflichen Worten.891
Wie sich anhand des Ausstellungskataloges feststellen läßt, wurde die von
886 Laut Programm war es „die Aufgabe der […] Ausstellung […] in gleicher Weise die histori-
schen, biographischen und gesellschaftlichen Erinnerungen aus der Zeit des Wiener Congres-
ses zur Anschauung zu bringen sowie nicht minder ein Bild der künstlerischen und kunstge-
werblichen Production aus dem Anfange unseres Jahrhunderts, etwa aus der Zeit von 1800
bis 1820, in übersichtlicher und belehrender Weise zu vermitteln“ (FKBA34149, fol. 2r).
887 Valenta, Privatbibliothek; Huber-Frischeis/Knieling/Valenta, Privatbibliothek, 420–449;
Valenta, Bilder.
888 FKBA34149, fol. 3r–v.
889 FKBA34149, fol. 6–33.
890 FKBA34149, fol. 34r u. 37r–38r.
891 FKBA34149, fol. 39r.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken