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KAISERLICHES INSTITUT UND
ERINNERUNGSRAUM688
in seinem Schreiben an Minkus vom 10. August ausdrücklich erwähnte, um
damit zu illustrieren, welch herausragendes Material im Hinblick auf seine
Eignung für die Ausstellung die Fideikommissbibliothek besitzen würde.945
Minkus nahm diese Anregung bereitwillig auf und wollte von jedem Heft eine
Doppelseite unter Glasvitrinen präsentieren, um damit die gesamte Band-
breite des erzherzoglichen Unterrichts zu illustrieren. Schnürer selbst wiede-
rum wollte sich die Entscheidungskompetenz in dieser Angelegenheit nicht
nehmen lassen und bat den Generaldirektor, „daß Eure Excellenz mich er-
mächtigen, jene Stellen (Blattseiten) zu bestimmen, welche sich zum Ausle-
gen eignen, damit nicht etwa durch eine ungeschickte Wahl Stücke ausgelegt
werden, die möglicherweise einem Übelwollenden zu ungehörigen Bemerkun-
gen Anlaß geben könnten.“ Die Argumentation ist insofern interessant, da sie
im Wesentlichen ja nur auf die Vermeidung kompromittierender Darstellun-
gen und nicht auf die Erzielung einer positiven Image-Bildung hinausläuft.
Diese Haltung aber unterscheidet sich grundlegend von den euphorischen
Erwartungen, die Schnürer noch wenige Jahre zuvor mit seinen Plänen für
ein Habsburgermuseum verband (vgl. Abschnitt 3.3). – Die Ausstellung der
Schulhefte wurde vom Kaiser schließlich genehmigt, womit diese Kategorie
von Ego-Dokumenten zur Person Franz Josephs das erste Mal in die Sphäre
der öffentlichen Wahrnehmung gelangte (zu den weiteren Auswirkungen
siehe Abschnitt 3.4). Für die Präsentation der übrigen von Schnürer als sen-
sibel eingestuften Objekte erachtete man in der Generaldirektion „eine Ah.
Genehmigg. nicht erforderlich, da die betreffenden Objecte bereits in Repro-
ductionen der Öffentlichkeit bekannt geworden sind.“946
Die Ausstellungsplanung verlief noch im Endstadium chaotisch und im
Hinblick auf die Kommunikation zwischen den Beteiligten alles andere als
reibungsfrei. Generaldirektor Chertek hatte erst wenige Tage vor der Eröff-
nung am 28. November aus Zeitungsberichten von der Festsetzung dieses
Termins erfahren. Am 25. des Monats erklärte er sich gegenüber Minkus „ei-
nigermaßen erstaunt, bis jetzt – drei Tage vor der Eröffnung – noch keinerlei
direkte Mitteilung hierüber oder Einladung erhalten zu haben.“ Er forderte
deshalb, „einiges von den Vereinbarungen zu erfahren, die für die Eröffnung
der Ausstellung hinsichtlich der Zeit und des Ortes, wo sich die Komiteemit-
glieder versammeln, sowie hinsichtlich der Toilette, in der dieselben erschei-
nen werden, sicherlich vorgesehen sind.“947
945 FKBA38066, fol. 1v.
946 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF, R. 5, Kt. 537, Z. 2945 ex. 1908: Stellungnahme von Hawer-
da-Wehrlandt vom 16.11.1908.
947 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF, R. 5, Kt. 537, Z. 2945 ex. 1908: undatiertes Konzept eines
Schreibens von Chertek an Minkus, das von Schnürer stammt.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken