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KAISERLICHES INSTITUT UND
ERINNERUNGSRAUM690
vom September 1870 hervorgehoben. Dieser hatte es sich damals auch zur
Aufgabe gemacht, der Pflege dieses Bestandes durch gezielten Ankauf der
wichtigsten zeitgenössischen Publikationen zum Thema „Jagd“ besonderes
Augenmerk zu widmen und wurde darin vom Kaiser bestätigt.953 Die Be-
teiligung der Fideikommissbibliothek an der Schau zur „Jagdstatistik und
Literatur“ ergab sich wieder einmal aufgrund eines persönlichen Kontak-
tes: Der Ausstellungsleiter Ferdinand Wang, Professor und Ministerialrat
im k. k. Ackerbaumuseum, kannte Schnürer bereits davor und stand mit
ihm in fachlichem Austausch. Am 31. Jänner 1910 übersandte er dem Bib-
liotheksvorstand ein Konzept für das offizielle Gesuch an die Generaldirek-
tion wegen Beteiligung der Fideikommissbibliothek an der Ausstellung zur
Begutachtung. Schnürer erklärte sich damit vollkommen einverstanden und
sicherte zu, verschiedene organisatorische Notwendigkeiten eigenständig in
die Wege zu leiten.954 Im Rahmen der Ausstellung wurde auch – anschei-
nend auf Initiative Schnürers – ein Schulaufsatz Franz Josephs über seine
erste Gamsjagd „in faksimilierter Reproduktion“ gezeigt, was der Kaiser zu-
vor persönlich genehmigt hatte.955 Darüber hinaus wurde von der steiermär-
kischen Sektion der internationalen Jagdausstellung eine Lithografie von
Eduard Kaiser „zum Zweck der Exponierung“ aus der Fideikommissbiblio-
thek entlehnt, die den Kaiser in jüngeren Jahren als Jäger darstellt.956 Diese
Einzelheiten ergaben sich keineswegs zufällig. Die Inszenierung des greisen
Kaisers als Jäger, der im gleichen Jahr auch seinen achtzigsten Geburtstag
feierte, erreichte damals anscheinend ihren Höhepunkt. In Bad Ischl und in
der Nähe von Mariazell wurden „Kaiser-Jägerdenkmäler“ errichtet;957 Franz
Schnürer veröffentlichte 1910 sein Werk „Unser Kaiser als Weidmann“, das
er dem Monarchen zur „Annahme“ unterbreitete;958 und bereits zu Beginn
dieses Jahres hatte der Fotograf Charles Scolik der Fideikommissbibliothek
fünf Bilder des Kaisers in Jägertracht geschenkt.959 Der Ausstellungspavil-
lon zur „Jagdstatistik und Literatur“ wurde von Franz Joseph am 18. Juni
1910 besucht, wobei er laut Schnürer „über die ausgestellten Objekte der
Bibl. in huldvollster Weise anerkennend sich zu äußern geruhte.“ Außerdem
war „der Bibl. für ihre Spezialausstellung das Ehren-Diplom der Ausstellung
verliehen worden.“960 Im folgenden Jahr sollte das Prachtwerk „Die erste in-
953 FKBA26135, pag. 26–27, u. FKBA27004, fol. 2r.
954 FKBA38192, fol. 1–4.
955 FKBA38192, fol. 11r.
956 FKBA38192, fol. 19r.
957 Oesterreichische Forst- und Jagd-Zeitung, Nr. 1442 v. 19.08.1910, 299 u. 304.
958 FKBA38221.
959 FKBA38190.
960 FKBA38192, fol. 23r.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken