Page - 956 - in Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 - Metamorphosen einer Sammlung
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DIE FIDEIKOMMISSBIBLIOTHEK
1914–1919956
der wissenschaftlicher Anfragen, der Leihgaben für Ausstellungen und der
Buch
entlehnung bemerkbar machte.
Die Arbeit an den vorhandenen Beständen stellte aufgrund der personellen
Situation ein schwieriges Unterfangen dar: Dies kommentierte Schnürer im
Jahresbericht der Fideikommissbibliothek für 1916. Durch die Übersiedlung
in den Corps de logis konnte die ursprüngliche Ordnung nicht übernommen
werden und die Dokumentation über den Bücherzuwachs der Fideikommiss-
bibliothek, korrelierte nicht mit dem tatsächlichen Bestand, da das Ausschei-
den von Werken nicht erfasst wurde: Das Inventurprotokoll des Jahres 1859
wies 29.658 Werke inklusive Handschriften und Inkunabeln auf. Dieser Be-
stand wurde durch das bis 1916 jährlich erstellte Zuwachsverzeichnis vervoll-
ständigt. Die neueingelangten Werke wurden in einem weiteren Schritt im
Standortrepertorium erfasst. Für die in der sogenannten Stände- und Berufs-
ordnung aufgestellten und für 1859 mit 90.645 bezifferten Einzelgrafiken der
Porträtsammlung wurden die Neuzugänge zahlenmäßig erfasst. Die Grafiken
sortierte man jedoch umgehend in die bestehende Ordnung ein und trug diese
in den nach inhaltlichen Kriterien geführten Bandkatalog ein.140
Für die Kunstsammlung wurde erst unter Moritz Alois von Becker ein
Zettelkatalog angelegt, welcher Kupferstiche verzeichnete bzw. einen zwei-
ter, der nach Schulen geordnet war. Weiters entstanden Zettelkataloge für
Handzeichnungen, Lithographien und Ansichten.
Noch in einem Bericht an die Generaldirektion aus dem Jahr 1917141 stellt
Franz Schnürer zum Zustand der Sammlungen fest, dass es teilweise gravie-
rende Abweichungen zu den Inventaren und Zuwachsverzeichnissen gege-
ben habe.142 Zunächst hält er fest, dass die Büchersammlung den „Kern- und
Hauptstock der Bibliothek bildet“143 und dass Dublettenverkäufe in regel-
mäßigen Abständen stattfanden, für die er die Platznot der früheren Lokali-
täten als Hauptgrund angibt. Die Dubletten wurden an Schulen verschenkt
bzw. über Antiquare verkauft. Mit dem Verkauf wurde in erster Linie der
Antiquar Franz Rohracher in Lienz betraut.144 Da man den Vorgaben der
Errichtungsurkunde für die Abfassung des Inventurprotokolls (gemäß § 3)145
exakt Folge leistete, kam es zu einer Katalogisierung des Zuwachses bei
gleichzeitiger Unterschlagung des Abgangs.
140 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF J.R., Rubr. Fideikommissbibliothek 541, 223/1917, fol. 4r.
141 Ebenda.
142 Zu den Bestandszuwächsen der Vorkriegszeit vergleiche den Abschnitt 1.3 Bestandserwei-
terung und Erwerbsmechanismen von Rainer Valenta.
143 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF J.R., Rubr. 5 Fideikommissbibliothek 541, 223/1917, fol. 5r.
144 Siehe dazu die umfangreichen Verkäufe über den Antiquar Rohracher ab dem Jahr 1885 in
FKBA31027 bzw. die Ankäufe der Fideikommissbibliothek ab 1887 in FKBA32005.
145 Zur Errichtungsurkunde des Fideikommisses siehe das Kapitel 5.1.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken