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DIE „K. U. K. FAMILIEN-FIDEIKOMMISSBIBLIOTHEK“ IM ERSTEN WELTKRIEG 957
Als Reaktion darauf ließ Schnürer nach der Übersiedlung die abgegan-
genen Werke im Standortrepertorium kennzeichnen. Diese Arbeit konnte
jedoch durch den Kriegsausbruch nicht fertiggestellt werden. Es handelt
sich dabei um rote Haken für die im Bestand vorhandenen Werke. Die Bib-
liothekszahl 33.851 im Standortrepertorium weist als letzte ein solches Häk-
chen auf, alle höheren Zahlen enthalten keinen weiteren Vermerk über Ver-
bleib oder Abgang. Dieser Abgleich wurde bis zum Bibliotheksbestand um
das Jahr 1910 geführt.
Die in den 1880er Jahren erfolgten Dublettenverkäufe der Druckgrafiken
wurden von dem Kunstantiquar Rudolf Carpentier durchgeführt, bzw. gin-
gen umfangreiche Dublettensammlungen durch den Verkauf an Mitglieder
des Kaiserhauses wie Erzherzog Karl Ludwig ab.146
In der Kunstsammlung wurden, neben dem ebenfalls erfolgten Dubletten-
verkauf bzw. der Ausscheidung von als wertlos bestimmten Kunstobjekten,
Korrekturen im Zettelkatalog vorgenommen, welche man nicht in den Zu-
wachsverzeichnissen nachtrug. Dies führte bis zur Entnahme von Zetteln
aus dem Katalog, ohne dass dieser Vorgang schriftlich vermerkt wurde.
Eine Revision der Bestände erachtete Schnürer als unabdingbar. Die Abwei-
chung des realen Buchbestands zu den Katalogeinträgen führte Schnürer
als Hauptgrund für die Einstellung der beiden weiblichen Hilfskräfte an.147
Die Umsignierung der Werke der Fideikommissbibliothek, welche sich durch
die Neuaufstellung der Sammlung im Corps de logis ergeben hatte, wurde
von Hanny Brentano und Gertrude Schenek mit Ende 1917 abgeschlossen.148
Aufgrund der schlecht beheizten Räumlichkeiten im Winter des Jahres 1918
war die Revision der Inventare weder in Angriff genommen noch abgeschlos-
sen worden. Die Zeit drängte, da die Einantwortung des Fideikommisses an
Kaiser Karl noch nicht stattgefunden hatte und die Bestandszuwächse 1917
und 1918 dringend inventarisiert werden mussten. Um ein vollständiges In-
ventar vorweisen zu können, gab man der Revision der Altbestände den Vor-
zug. Die Inventarisierung der Neuzugänge 1917/1918 sollten im Anschluss
erfasst werden.
1.2.2 Einantwortung des Fideikommisses an Kaiser Karl
Im November 1917, also ein Jahr nach dem Tod Franz Josephs, hatte Kaiser
Karl den Hof- und Gerichtsadvokaten Friedrich Stritzl Edler von Artstatt
als Rechtsbeistand für die Abwicklung der Verlassenschaft Franz Josephs
146 FKBA30035.
147 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF J.R., Rubr. 5 Fideikommissbibliothek 551, 223/1917.
148 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF J.R., Rubr. 5 Fideikommissbibliothek 541, 3198/1918, fol. 1r.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken