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DIE FIDEIKOMMISSBIBLIOTHEK
1914–1919980
„nie etwas gehört […]. Wahrscheinlich kommt es mir nicht vor, dass Hofrat
Moritz Ritter von Becker die Sammlung der Post’schen Kupferstiche und das
Pausingeralbum verlangt habe, um sie in der Bibliothek ‚aufzubewahren und
Studienzwecken zugänglich zu machen‘, zumal zu jener Zeit die Bibliothek gar
keine für Studienzwecke geeignete Räume hatte und dortselbst auch außer
den Beamten der Bibliothek nie jemand arbeitete.“
Auch eine Anfrage an die Finanzprokuratur führte zu keinen neuen Er-
kenntnissen, doch schlussendlich verblieben sowohl die Kupferstiche von
Post als auch das Jagdalbum von Pausinger in der Porträtsammlung der
Österreichischen Nationalbibliothek.249
1.3 Franz Schnürer als Hauptakteur des Aufbaus und der Präsentation
der Fideikommissbibliothek als Gedächtnisspeicher der
Habsburgermonarchie
1.3.1 Versuche einer supranationalen und dynastischen Musealisierung
der Fideikommissbibliothek
Kurz und bündig waren die nur vereinzelt in den Akten der Fideikommiss-
bibliothek zu findenden kaiserlichen Entschließungen. In der Regel lauteten
diese folgendermaßen: „Ich habe den Inhalt dieses Vortrages zur Kenntnis
genommen und erteile Ihnen die erbetene Ermächtigung.“250 In den Kriegs-
jahren wird die Fideikommissbibliothek von Franz Joseph vollends auf das
Abstellgleis gestellt. In den Akten spiegeln sich wenige Ereignisse wieder,
in die der Monarch direkt eingebunden war. So sind zwar Allerhöchste Be-
fehle für Mitgliedschaften von Kaiser Franz Joseph bei literarischen Verei-
nen zu finden.251 Es ist jedoch davon auszugehen, dass dieser Schritt ver-
mutlich eher aus Prestigegründen unternommen wurde beziehungsweise
um die jährlich zugesandten Schriftenreihen der Vereine für die Fideikom-
missbibliothek zu beziehen.252 Zu diesen Mitgliedschaften zählte jene 1914
249 Es haben sich bis heute Kupferstiche von Karl Borromäus Post aus den ehemaligen Be-
ständen der Fideikommissbibliothek erhalten, so beispielsweise Wien, ÖNB, BAG,
Pk 3003, 474–492a. Ob es sich dabei um die in Frage stehenden Kupferstiche handelt, kann
nicht mit Sicherheit festgestellt werden.
250 Die zitierte Entschließung stammt aus einem Akt über die Annahme des „Personalstatus
des Deutschen Ritterordens“. Vgl. Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF J.R., Rubr. 5 Fideikom-
missbibliothek 540, 2087/1914, fol. 2r.
251 Rainer Valenta macht auf die Bandbreite der Mitgliedschaften für den Zeitraum bis 1914
aufmerksam, vgl. den Abschnitt 1.3.3 Periodika, Fortsetzungswerke und Mitgliedschaften.
252 FKBA32086.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken