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DIE FIDEIKOMMISSBIBLIOTHEK
1914–1919982
bibliothek“ kaum Erwähnung fand, tatsächlich ist dies als neuerliche Be-
stätigung zur fehlenden Wahrnehmung der Fideikommissbibliothek in der
Bibliotheks- und Museumslandschaft anzusehen.258 Es ist sicherlich auf
Schnürers Bemühungen zurückzuführen, dass die Fideikommissbibliothek
auch in der Presse Erwähnung fand. Ein Zeitungsartikel im „Neuen Wiener
Journal“ vom 13. Jänner 1918 über die Fideikommissbibliothek verdeutlicht,
dass die Vorbereitungen für die museale Nutzung bereits getroffen wurden.
So beschreibt der Journalist Karl Josef Fromm einige Säle der Fideikom-
missbibliothek mit folgenden Worten:
„In der Mitte des vierzig Schritte langen, sonnenhellen Saals, dessen Wände
bis zur Decke von Bücherregalen verdeckt sind, in denen sich die ältesten Be-
stände der Bibliothek befinden (etwa 40.000 Bände), steht die Büste des Kai-
sers [Franz]. Auch die Büsten seiner Brüder, des Feldmarschalls Erzherzog
Karl, des Hoch- und Deutschmeisters Erzherzog Anton und des Kardinals von
Olmütz Erzherzog Rudolf (des Förderers Beethovens) schmücken den Saal.
In Schaukästen sieht man mehrere von den Tausenden kunstvollen Hand-
schriften aus dem XV. Jahrhundert […]. Im Kaiser-Ferdinands-Saal steht ein
Rundaquarell von Emil Hütter, das die Stadtmauern Wiens mit den Toren im
Jahr 1858, kurz vor ihrer Demolierung darstellt. Im Kaiser Franz-Josephs-
Saal sieht man in Vitrinen die Studienhefte des Kaisers Franz Joseph aus den
Jahren 1840 bis 1847.“259
Tatsächlich erhält man durch den Artikel einen visuellen Eindruck der
Fideikommissbibliothek als musealer Raum. Schnürer hegte in den Kriegs-
jahren nach wie vor den Gedanken einer neuerlichen Ausstellung in der
Fideikommissbibliothek, um diese dadurch einer musealen Nutzung zuzu-
führen. Nachdem bereits in den 1890er Jahren die Dauerausstellung der
Huldigungsadressen umgesetzt worden war, hatte Schnürer die Idee eines
Habsburgermuseums zu Beginn des 20. Jahrhunderts weder vor, noch nach
der Übersiedlung realisieren können. Auch in den Kriegsjahren hielt er an
diesem Gedanken fest, doch die Generaldirektion lehnte im November 1915
sein Gesuch mit der Begründung ab, dass eine derartige Ausstellung auf-
grund der Kriegssituation keinesfalls vor Mai 1916 bzw. vor einem Friedens-
schluss stattfinden könne. Schnürer wurde damit vertröstet, sich einstwei-
len über die Auswahl der Sammlungsobjekte Gedanken zu machen.260 Wie
anhand des Zeitungsartikels ersichtlich, setzte er diese Aufforderung in die
258 Ebendort.
259 Neues Wiener Journal, Nr. 8694 (10.01.1918) 5.
260 FKBA43034.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken