Page - 999 - in Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 - Metamorphosen einer Sammlung
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„KEIN RAUM MEHR FÜR IRGENDEINE MONARCHISCHE GEWALT“ 999
Räumlichkeiten in der Hofburg,332 das Staatsamt für Landwirtschaft hinge-
gen auf das Inventar der Krongüter.333 Es herrschte daher eine ebenso große
Unsicherheit über die weitere Handhabe mit den beweglichen wie auch
den unbeweglichen Vermögenswerten bei Hof.334 Aus Sorge um die eigenen
Sammlungsbestände wollte man von Seiten der Kunstsammlungen ebenso
klarstellen, dass jene Kunstobjekte, die leihweise an andere Institutionen
überlassen worden waren, umgehend in ihren Besitz zurückgeführt wer-
den sollten. So suchte beispielsweise die Gemäldegalerie um Rückstellung
leihweise überlassener Gemälde an das ehemalige Ministerium des k. u. k.
Hauses und des Äußeren an. Im Rahmen dieser Rückstellung wurden auch
die Generaldirektion bzw. die Fideikommissbibliothek aktiv und forderten
im Jänner 1919 zwei nicht näher bezeichnete Bildnisse zurück, die 1907
leihweise dem Ministerium des Äußeren überlassen worden waren.335 Diese
Rückführung wurde ebenso umgesetzt, wie jene der zu diesem Zeitpunkt im
Miniaturenkabinett im Zeremonialappartement der Hofburg befindlichen
Porträtminiaturen.336 Nach dem Erlass des Habsburgergesetzes erwies sich
die Rückführung von fideikommissarischen Sammlungsgütern aus anderen
Institutionen als schwierig.337
332 Ebendort.
333 Auer, Auflösung, 180.
334 Staatsnotar Julius Sylvester übernahm am 16. November 1918 im Namen des Staatsrats
das hofärarische Vermögen für die Republik. Vgl. Auer, Auflösung, 182.
335 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF J.R., Rubr. 5 Fideikommissbibliothek 541, 335/1919.
336 FKBA46051. Die Porträtminiaturen befinden sich noch heute in der Bildarchiv und Gra-
fiksammlung der Nationalbibliothek. Sie wurden in einem 1905 erschienenen Katalog be-
schrieben: Alfred Windt, Beschreibendes Verzeichnis der zum Primogenitur-Fideikommiss
des allerhöchsten Kaiserhauses gehörenden Miniaturen (Wien 1905). 1905 fand ebenso
eine Miniaturenausstellung statt, in der auch jene der Fideikommissbibliothek ausgestellt
und beschrieben wurden: Miniaturen-Ausstellung im Palais des k. k. Ministerrats-Präsi-
diums Wien, I. Herrengasse 7 (Wien 1905). Vgl. ebenso Keil, Porträtminiaturen und Sme-
tana, Porträtkameen.
337 Durch das Habsburgergesetz wurde der zuvor angesprochenen Rückführung von Samm-
lungsobjekten aus anderen Institutionen ein Riegel vorgeschoben. Nachdem die Fideikom-
missbibliothek bereits vor dem Erlass des Habsburgergesetzes ein Ansuchen um Rück-
stellung von Sammlungsobjekten aus dem Fideikommiss an andere Institutionen gestellt
hatte, richtete Rudolf Payer von Thurn wenige Wochen vor Erlass des Habsburgergesetzes
am 17. März 1919 eine Anfrage zur Rückführung von „sämtlichen Familien-Porträts wel-
che nicht als Staatseigentum anerkannt“ [FKBA46088, fol. 1r], sondern dem Primogeni-
tur-Fideikommiss zugeordnet worden waren. Wie erwähnt, hatte man die diesem Bestand
zugehörigen Porträtminiaturen bereits an die Fideikommissbibliothek zurückgestellt, doch
es befanden sich auch noch Ölgemälde „in verschiedenen Schlössern, die sich heute als
‚Krongut‘ in der Verwaltung der republikanischen Regierung befinden. (Hofburg, Schön-
brunn, Laxenburg, Belvedere). Es handelt sich um die Hof-Inventarnummern 1–135 (mit
Ausnahme der Nr. 57, 74, 81, 85, 115 und 130) und die Nr. 214“ [FKBA46088, fol. 1v]. Die
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken