Page - 1015 - in Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 - Metamorphosen einer Sammlung
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„KEIN RAUM MEHR FÜR IRGENDEINE MONARCHISCHE GEWALT“ 1015
tense, wie viele andere Bestände der Fideikommissbibliothek auch, unter
den Abteilungen der Nationalbibliothek aufgeteilt.417 Im Fall der Estensi-
schen Bibliothek wurde diese Aufteilung erst nach dem Zweiten Weltkrieg
durchgeführt. Die Inkunabeln wurden 1947 an die Inkunabelsammlung
abgegeben: 140 Bände mit 161 Inkunabeln fanden im Regal 32 der Inkun-
abelsammlung ihre neue Aufstellung.418 Die Transferierung von 320 esten-
sischen Handschriften in die Handschriftenabteilung fand 1948 statt und
wurde in der Series Nova der Handschriften der Nationalbibliothek katalo-
gisiert.419 Wilhelm Beetz beziffert die Druckschriften der Biblioteca Estense
in einem 1926 erschienenen Artikel mit rund 5.000 Bänden.420 Dieser Be-
stand befindet sich heute in der Druckschriftensammlung der Österreichi-
schen Nationalbibliothek und umfasst mit exakt 5.725 Titeln die Signaturen
210.001 bis 215.725.421 Dieser schlaglichtartige Blick auf die Aufteilung der
Sammlungen veranschaulicht die tiefgreifenden Veränderungen im Samm-
lungsbestand der Fideikommissbibliothek, die sich durch die Aufteilung ab
den 1920er Jahre ergaben.
2.2.2 Zu den Auswirkungen des Vertrags von Saint-Germain-en-Laye vom
9. September 1919
Für die Aufteilung von Kulturgütern unter den Nachfolgestaaten der
Habsburgermonarchie hatte insbesondere der Vertrag von Saint-Germain
Einfluss auf die weitere Handhabe. Darin ging man im Wesentlichen von
einer Gütertrennung nach dem Territorialprinzip zum Zeitpunkt der Ver-
tragsunterzeichnung aus (Art. 208).422 Wie Yves Huguenin-Bergenat auf-
417 Die Überstellung von Sammlungsbeständen der Estensischen Bibliothek in andere Abtei-
lungen ist sehr schlecht dokumentiert, da diese erst nach dem Zweiten Weltkrieg stattfand.
418 Wien, ÖNB, HAD, Ink. 32–1–140.
419 Mazal/Unterkircher, Katalog, 2/1, XI, Ser. n. 1717–1997 bzw. 2072, 2073, 2076–2116 und
2145. Vgl. ebenso das Erwerbungsbuch der HAD für die Jahre 1941–1959. Autographen,
die sich unter den Handschriften befanden, wurden der Autographensammlung zugeteilt.
Es handelt sich um einen Brief von Joseph Martorel an Ferdinand IV. vom 08.07.1843 vgl.
Wien, ÖNB, HAD, Autogr. 259/29–1 bzw. zwei Autographen von Franz V. vom 15. und
16.10.1861 vgl. Wien, ÖNB, HAD, Autogr. 61/19–3 und 4.
420 Beetz, Porträtsammlung (1926) 70.
421 Ich danke Frau Dr. Kiegler-Griensteidl und Frau Dr. Mauthe für die Recherchen zur ge-
nauen Angabe der Signaturen. Stichproben bestätigen, dass die Bücher den Stempel FID.
COM II enthalten. Eine Datierung des Stempels gestaltet sich schwierig. Die Verwendung
des Stempels ist allerdings auf die Jahre zwischen 1908 und 1916 einzuschränken.
422 Der Vertragstext bezieht sich auf „das Vermögen des ehemaligen österreichischen Kai-
serreiches, der Anteil dieses Reiches an dem gemeinsamen Besitz der österreichisch-un-
garischen Monarchie, alle Krongüter sowie das Privatvermögen der ehemaligen österrei-
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken