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Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)
Page - 178 -
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Page - 178 - in Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)

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eine besondere Varietät der Menschenart, für ein »drittes Geschlecht« aus, welches gleichberechtigt neben den beiden anderen steht. Wir werden vielleicht Gelegenheit haben, ihre Ansprüche kritisch zu prüfen. Natürlich sind sie nicht, wie sie auch gern behaupten möchten, eine »Auslese« der Menschheit, sondern enthalten mindestens ebensoviel minderwertige und nichtsnutzige Individuen wie die in sexueller Hinsicht anders Gearteten. Diese Perversen nehmen mit ihrem Sexualobjekt wenigstens noch ungefähr dasselbe vor wie die Normalen mit dem ihrigen. Aber nun folgt eine lange Reihe von Abnormen, deren sexuelle Betätigung sich immer weiter von dem entfernt, was einem vernünftigen Menschen begehrenswert erscheint. In ihrer Mannigfaltigkeit und Sonderbarkeit sind sie nur vergleichbar den grotesken Mißgestalten, die P. Breughel als Versuchung des heiligen Antonius gemalt hat, oder den verschollenen Göttern und Gläubigen, die G. Flaubert in langer Prozession an seinem frommen Büßer vorbeiziehen läßt. Ihr Gewimmel ruft nach einer Art von Ordnung, wenn es unsere Sinne nicht verwirren soll. Wir scheiden sie in solche, bei denen sich, wie bei den Homosexuellen, das Sexualobjekt gewandelt hat, und in andere, bei denen in erster Linie das Sexualziel verändert worden ist. Zur ersten Gruppe gehören die, welche auf die Vereinigung der beiden Genitalien verzichtet haben und bei dem einen Partner im Sexualakt das Genitale durch einen anderen Körperteil oder Körperregion ersetzen; sie setzen sich dabei über die Mängel der organischen Einrichtung wie über die Abhaltung des Ekels hinweg. (Mund, After an Stelle der Scheide.) Dann folgen andere, die zwar noch am Genitale festhalten, aber nicht wegen seiner sexuellen, sondern wegen anderer Funktionen, an denen es aus anatomischen Gründen und Anlässen der Nachbarschaft beteiligt ist. Wir erkennen an ihnen, daß die Ausscheidungsfunktionen, die in der Erziehung des Kindes als unanständig abseits geschafft worden sind, imstande bleiben, das volle sexuelle Interesse an sich zu reißen. Dann andere, die das Genitale überhaupt als Objekt aufgegeben haben, an seiner Statt einen anderen Körperteil zum begehrten Objekt erheben, die weibliche Brust, den Fuß, den Haarzopf. In weiterer Folge die, denen auch ein Körperteil nichts bedeutet, aber ein Kleidungsstück alle Wünsche erfüllt, ein Schuh, ein Stück weißer Wäsche, die Fetischisten. Weiter im Zuge die Personen, die zwar das ganze Objekt verlangen, aber ganz bestimmte, seltsame oder gräßliche, Anforderungen an dasselbe stellen, auch die, daß es zur wehrlosen Leiche geworden sein muß, und die es in verbrecherischem Zwang dazu machen, um es genießen zu können. Genug der Greuel von dieser Seite! Die andere Schar wird von den Perversen angeführt, die sich zum Ziele der sexuellen Wünsche gesetzt haben, was normalerweise nur einleitende und vorbereitende Handlung ist. Also die das Beschauen und Betasten der anderen Person oder das Zuschauen bei intimen Verrichtungen derselben anstreben, oder die ihre eigenen zu verbergenden Körperteile entblößen in einer dunklen Erwartung, durch eine gleiche Gegenleistung belohnt zu werden. Dann folgen die rätselhaften Sadisten, deren zärtliches Streben kein anderes Ziel kennt, als ihrem Objekt Schmerzen und Qualen zu bereiten, von Andeutungen der Demütigung bis zu schweren körperlichen Schädigungen, und wie zur Ausgleichung ihre Gegenstücke, die Masochisten, deren einzige Lust es ist, von ihrem geliebten Objekt alle Demütigungen und Qualen in symbolischer wie in realer Form zu erleiden. Andere noch, bei denen mehrere solcher abnormer Bedingungen sich vereinigen und sich verschränken, und endlich müssen wir noch erfahren, daß jede dieser Gruppen zweifach vorhanden ist, daß es neben den einen, die ihre Sexualbefriedigung in der Realität suchen, noch andere gibt, die sich damit begnügen, sich solche Befriedigung bloß vorzustellen, die überhaupt kein wirkliches Objekt brauchen, sondern es sich durch die Phantasie ersetzen können. 178
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Schriften von Sigmund Freud (1856–1939)
Title
Schriften von Sigmund Freud
Subtitle
(1856–1939)
Author
Sigmund Freud
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
Size
21.6 x 28.0 cm
Pages
2789
Keywords
Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
Categories
Geisteswissenschaften
Medizin
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