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an anderer Stelle angeführten Quellen wecken in der Seele zunächst eine Anzahl von
Vorstellungen, die sich als Halluzinationen (nach Wundt richtiger Illusionen wegen ihrer Abkunft
von den äußeren und inneren Reizen) darstellen. Diese verknüpfen sich untereinander nach den
bekannten Assoziationsgesetzen und rufen ihrerseits nach denselben Regeln eine neue Reihe von
Vorstellungen (Bildern) wach. Das ganze Material wird dann vom noch tätigen Rest der
ordnenden und denkenden Seelenvermögen, so gut es eben gehen will, verarbeitet (vgl. etwa
Wundt und Weygandt). Es ist bloß noch nicht gelungen, die Motive einzusehen, welche darüber
entscheiden, daß die Erweckung der nicht von außen stammenden Bilder nach diesem oder nach
jenem Assoziationsgesetz vor sich gehe.
Es ist aber wiederholt bemerkt worden, daß die Assoziationen, welche die Traumvorstellungen
untereinander verbinden, von ganz besonderer Art und verschieden von den im wachen Denken
tätigen sind. So sagt Volkelt (1875, 15): »Im Traume jagen und haschen sich die Vorstellungen
nach zufälligen Ähnlichkeiten und kaum wahrnehmbaren Zusammenhängen. Alle Träume sind
von solchen nachlässigen, zwanglosen Assoziationen durchzogen.« Maury legt auf diesen
Charakter der Vorstellungsbindung, der ihm gestattet, das Traumleben in engere Analogie mit
gewissen Geistesstörungen zu bringen, den größten Wert. Er anerkennt zwei Hauptcharaktere des
»délire«: 1) une action spontanée et comme automatique de l’esprit; 2) une association vicieuse
et irrégulière des idées (1878, 126). Von Maury selbst rühren zwei ausgezeichnete
Traumbeispiele her, in denen der bloße Gleichklang der Worte die Verknüpfung der
Traumvorstellungen vermittelt. Er träumte einmal, daß er eine Pilgerfahrt (pélérinage) nach
Jerusalem oder Mekka unternehme, dann befand er sich nach vielen Abenteuern beim Chemiker
Pelletier, dieser gab ihm nach einem Gespräch eine Schaufel (pelle) von Zink, und diese wurde in
einem darauffolgenden Traumstück sein großes Schlachtschwert (ibid., 137). Ein andermal ging
er im Traum auf der Landstraße und las auf den Meilensteinen die Kilometer ab, darauf befand er
sich bei einem Gewürzkrämer, der eine große Waage hatte, und ein Mann legte Kilogewichte auf
die Waagschale, um Maury abzuwägen; dann sagte ihm der Gewürzkrämer: »Sie sind nicht in
Paris, sondern auf der Insel Gilolo.« Es folgten darauf mehrere Bilder, in welchen er die Blume
Lobelia sah, dann den General Lopez, von dessen Tod er kurz vorher gelesen hatte; endlich
erwachte er, eine Partie Lotto spielend. (Ibid.)[15]
Wir sind aber wohl gefaßt darauf, daß diese Geringschätzung der psychischen Leistungen des
Traumes nicht ohne Widerspruch von anderer Seite geblieben ist. Zwar scheint der Widerspruch
hier schwierig. Es will auch nicht viel bedeuten, wenn einer der Herabsetzer des Traumlebens
versichert (Spitta, 1882, 118), daß dieselben psychologischen Gesetze, die im Wachen herrschen,
auch den Traum regieren, oder wenn ein anderer (Dugas) ausspricht »le rêve n’est pas déraison
ni même irraison pure«, solange beide sich nicht die Mühe nehmen, diese Schätzung mit der von
ihnen beschriebenen psychischen Anarchie und Auflösung aller Funktionen im Traum in
Einklang zu bringen. Aber anderen scheint die Möglichkeit gedämmert zu haben, daß der
Wahnsinn des Traumes vielleicht doch nicht ohne Methode sei, vielleicht nur Verstellung wie der
des Dänenprinzen, auf dessen Wahnsinn sich das hier zitierte, einsichtsvolle Urteil bezieht. Diese
Autoren müssen es vermieden haben, nach dem Anschein zu urteilen, oder der Anschein, den der
Traum ihnen bot, war ein anderer.
So würdigt Havelock Ellis den Traum, ohne bei seiner scheinbaren Absurdität verweilen zu
wollen, als »an archaic world of vast emotions and imperfect thoughts«, deren Studium uns
primitive Entwicklungsstufen des psychischen Lebens kennen lehren könnte.
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Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Title
- Schriften von Sigmund Freud
- Subtitle
- (1856–1939)
- Author
- Sigmund Freud
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- Size
- 21.6 x 28.0 cm
- Pages
- 2789
- Keywords
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Categories
- Geisteswissenschaften
- Medizin