Page - 478 - in Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)
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England usw.
Man könnte die Frage aufwerfen, ob die Traumanknüpfung unfehlbar an die Ereignisse des
letzten Tages erfolgt oder ob sie sich auf Eindrücke eines längeren Zeitraumes der jüngsten
Vergangenheit erstrecken kann. Dieser Gegenstand kann prinzipielle Bedeutsamkeit
wahrscheinlich nicht beanspruchen, doch möchte ich mich für das ausschließliche Vorrecht des
letzten Tages vor dem Traume (des Traumtages) entscheiden. Sooft ich zu finden vermeinte, daß
ein Eindruck vor zwei oder drei Tagen die Quelle des Traumes gewesen sei, konnte ich mich
doch bei genauerer Nachforschung überzeugen, daß jener Eindruck am Vortage wieder erinnert
worden war, daß also eine nachweisbare Reproduktion am Vortage sich zwischen dem
Ereignistage und der Traumzeit eingeschoben hatte, und konnte außerdem den rezenten Anlaß
nachweisen, von dem die Erinnerung an den älteren Eindruck ausgegangen sein konnte.
Hingegen konnte ich mich nicht davon überzeugen, daß zwischen dem erregenden Tageseindruck
und dessen Wiederkehr im Traume ein regelmäßiges Intervall von biologischer Bedeutsamkeit
(als erstes dieser Art nennt H. Swoboda achtzehn Stunden) eingeschoben ist[59].
Auch H. Ellis (1911, 227), der dieser Frage Aufmerksamkeit geschenkt hat, gibt an, daß er eine
solche Periodizität der Reproduktion in seinen Träumen »trotz des Achtens darauf« nicht finden
konnte. Er erzählt einen Traum, in welchem er sich in Spanien befand und nach einem Ort:
Daraus, Varaus oder Zaraus fahren wollte. Erwacht, konnte er sich an einen solchen Ortsnamen
nicht erinnern und legte den Traum beiseite. Einige Monate später fand er tatsächlich den Namen
Zaraus als den einer Station zwischen San Sebastian und Bilbao, welche er 250 Tage vor dem
Traum mit dem Zuge passiert hatte.
Ich meine also, es gibt für jeden Traum einen Traumerreger aus jenen Erlebnissen, über die »man
noch keine Nacht geschlafen hat«. Die Eindrücke der jüngsten Vergangenheit (mit Ausschluß des
Tages vor der Traumnacht) zeigen also keine andersartige Beziehung zum Trauminhalte als
andere Eindrücke aus beliebig ferner liegenden Zeiten. Der Traum kann sein Material aus jeder
Zeit des Lebens wählen, wofern nur von den Erlebnissen des Traumtages (den »rezenten«
Eindrücken) zu diesen früheren ein Gedankenfaden reicht.
Woher aber die Bevorzugung der rezenten Eindrücke? Wir werden zu Vermutungen über diesen
Punkt gelangen, wenn wir einen der erwähnten Träume einer genaueren Analyse unterziehen. Ich
wähle den
Traum von der botanischen Monographie
Ich habe eine Monographie über eine gewisse Pflanze geschrieben. Das Buch liegt vor mir, ich
blättere eben eine eingeschlagene farbige Tafel um. Jedem Exemplar ist ein getrocknetes
Spezimen der Pflanze beigebunden, ähnlich wie aus einem Herbarium.
Analyse
Ich habe am Vormittage im Schaufenster einer Buchhandlung ein neues Buch gesehen, welches
sich betitelt: Die Gattung Zyklamen – offenbar eine Monographie über diese Pflanze.
Zyklamen ist die Lieblingsblume meiner Frau. Ich mache mir Vorwürfe, daß ich so selten daran
denke, ihr Blumen mitzubringen, wie sie sich’s wünscht. – Bei dem Thema: Blumen mitbringen
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Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Title
- Schriften von Sigmund Freud
- Subtitle
- (1856–1939)
- Author
- Sigmund Freud
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- Size
- 21.6 x 28.0 cm
- Pages
- 2789
- Keywords
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Categories
- Geisteswissenschaften
- Medizin