Page - 681 - in Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)
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Bilder Entschuldigung zu erbitten, halte ich für überflüssig. Diese Gleichnisse sollen uns nur bei
einem Versuch unterstützen, der es unternimmt, uns die Komplikation der psychischen Leistung
verständlich zu machen, indem wir diese Leistung zerlegen und die Einzelleistung den einzelnen
Bestandteilen des Apparats zuweisen. Der Versuch, die Zusammensetzung des seelischen
Instruments aus solcher Zerlegung zu erraten, ist meines Wissens noch nicht gewagt worden. Er
scheint mir harmlos. Ich meine, wir dürfen unseren Vermutungen freien Lauf lassen, wenn wir
dabei nur unser kühles Urteil bewahren, das Gerüste nicht für den Bau halten. Da wir nichts
anderes benötigen als Hilfsvorstellungen zur ersten Annäherung an etwas Unbekanntes, so
werden wir die rohesten und greifbarsten Annahmen zunächst allen anderen vorziehen.
Wir stellen uns also den seelischen Apparat vor als ein zusammengesetztes Instrument, dessen
Bestandteile wir Instanzen oder der Anschaulichkeit zuliebe Systeme heißen wollen. Dann bilden
wir die Erwartung, daß diese Systeme vielleicht eine konstante räumliche Orientierung
gegeneinander haben, etwa wie die verschiedenen Linsensysteme des Fernrohres
hintereinanderstehen. Strenggenommen, brauchen wir die Annahme einer wirklich räumlichen
Anordnung der psychischen Systeme nicht zu machen. Es genügt uns, wenn eine feste
Reihenfolge dadurch hergestellt wird, daß bei gewissen psychischen Vorgängen die Systeme in
einer bestimmten zeitlichen Folge von der Erregung durchlaufen werden. Die Folge mag bei
anderen Vorgängen eine Abänderung erfahren; eine solche Möglichkeit wollen wir uns offen
lassen. Von den Bestandteilen des Apparates wollen wir von nun an der Kürze halber als
»ψ-Systeme« sprechen.
Das erste, das uns auffällt, ist nun, daß dieser aus ψ-Systemen zusammengesetzte Apparat eine
Richtung hat. All unsere psychische Tätigkeit geht von (inneren oder äußeren) Reizen aus und
endigt in Innervationen. Somit schreiben wir dem Apparat ein sensibles und ein motorisches
Ende zu; an dem sensiblen Ende befindet sich ein System, welches die Wahrnehmungen
empfängt, am motorischen Ende ein anderes, welches die Schleusen der Motilität eröffnet. Der
psychische Vorgang verläuft im allgemeinen vom Wahrnehmungsende zum Motilitätsende. Das
allgemeinste Schema des psychischen Apparats hätte also folgendes Ansehen (Fig. 1):
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Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Title
- Schriften von Sigmund Freud
- Subtitle
- (1856–1939)
- Author
- Sigmund Freud
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- Size
- 21.6 x 28.0 cm
- Pages
- 2789
- Keywords
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Categories
- Geisteswissenschaften
- Medizin