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auszuführenden Aktes. Alle anderen mit dieser Vorstellung assoziierten Ideen – der Auftrag, der
Einfluß des Arztes, die Erinnerung an den hypnotischen Zustand –, blieben auch dann noch
unbewußt.
Wir können aber aus einem solchen Experiment noch mehr lernen. Wir werden von einer rein
beschreibenden zu einer dynamischen Auffassung des Phänomens hinübergeleitet. Die Idee der in
der Hypnose aufgetragenen Handlung wurde in einem bestimmten Augenblick nicht bloß ein
Objekt des Bewußtseins, sondern sie wurde auch wirksam, und dies ist die auffallendere Seite des
Tatbestandes; sie wurde in Handlung übertragen, sobald das Bewußtsein ihre Gegenwart bemerkt
hatte. Da der wirkliche Antrieb zum Handeln der Auftrag des Arztes ist, kann man kaum anders
als einräumen, daß auch die Idee des Auftrages wirksam geworden ist.
Dennoch wurde dieser letztere Gedanke nicht ins Bewußtsein aufgenommen, wie es mit seinem
Abkömmling, der Idee der Handlung, geschah; er verblieb unbewußt und war daher gleichzeitig
wirksam und unbewußt.
Die posthypnotische Suggestion ist ein Produkt des Laboratoriums, eine künstlich geschaffene
Tatsache. Aber wenn wir die Theorie der hysterischen Phänomene, die zuerst durch P. Janet
aufgestellt und von Breuer und mir ausgearbeitet wurde, annehmen, so stehen uns natürliche
Tatsachen in Fülle zur Verfügung, die den psychologischen Charakter der posthypnotischen
Suggestion sogar noch klarer und deutlicher zeigen.
Das Seelenleben des hysterischen Patienten ist erfüllt mit wirksamen, aber unbewußten
Gedanken; von ihnen stammen alle Symptome ab. Es ist in der Tat der auffälligste Charakterzug
der hysterischen Geistesverfassung, daß sie von unbewußten Vorstellungen beherrscht wird.
Wenn eine hysterische Frau erbricht, so kann sie dies wohl infolge der Idee tun, daß sie
schwanger sei. Dennoch hat sie von dieser Idee keine Kenntnis, obwohl dieselbe durch eine der
technischen Prozeduren der Psychoanalyse leicht in ihrem Seelenleben entdeckt und für sie
bewußtgemacht werden kann. Wenn sie die Zuckungen und Gesten ausführt, die ihren »Anfall«
ausmachen, so stellt sie sich nicht einmal die von ihr beabsichtigten Aktionen bewußt vor und
beobachtet sie vielleicht mit den Gefühlen eines unbeteiligten Zuschauers. Nichtsdestoweniger
vermag die Analyse nachzuweisen, daß sie ihre Rolle in der dramatischen Wiedergabe einer
Szene aus ihrem Leben spielte, deren Erinnerung während der Attacke unbewußt wirksam war.
Dasselbe Vorwalten wirksamer unbewußter Ideen wird durch die Analyse als das Wesentliche in
der Psychologie aller anderen Formen von Neurose enthüllt.
Wir lernen also aus der Analyse neurotischer Phänomene, daß ein latenter oder unbewußter
Gedanke nicht notwendigerweise schwach sein muß und daß die Anwesenheit eines solchen
Gedankens im Seelenleben indirekte Beweise der zwingendsten Art gestattet, die dem direkten,
durch das Bewußtsein gelieferten Beweis fast gleichwertig sind. Wir fühlen uns gerechtfertigt,
unsere Klassifikation mit dieser Vermehrung unserer Kenntnisse in Übereinstimmung zu bringen,
indem wir eine grundlegende Unterscheidung zwischen verschiedenen Arten von latenten und
unbewußten Gedanken einführen. Wir waren gewohnt zu denken, daß jeder latente Gedanke dies
infolge seiner Schwäche war und daß er bewußt wurde, sowie er Kraft erhielt. Wir haben nun die
Überzeugung gewonnen, daß es gewisse latente Gedanken gibt, die nicht ins Bewußtsein
eindringen, wie stark sie auch sein mögen. Wir wollen daher die latenten Gedanken der ersten
Gruppe vorbewußt nennen, während wir den Ausdruck unbewußt (im eigentlichen Sinne) für die
zweite Gruppe reservieren, die wir bei den Neurosen betrachtet haben. Der Ausdruck unbewußt,
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Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Title
- Schriften von Sigmund Freud
- Subtitle
- (1856–1939)
- Author
- Sigmund Freud
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- Size
- 21.6 x 28.0 cm
- Pages
- 2789
- Keywords
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Categories
- Geisteswissenschaften
- Medizin