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vor. Als Ersatz findet sich an analoger Stelle ein Tier, das sich mehr oder weniger gut zum
Angstobjekt eignet. Die Ersatzbildung des Vorstellungsanteiles hat sich auf dem Wege der
Verschiebung längs eines in bestimmter Weise determinierten Zusammenhanges hergestellt. Der
quantitative Anteil ist nicht verschwunden, sondern hat sich in Angst umgesetzt. Das Ergebnis ist
eine Angst vor dem Wolf an Stelle eines Liebesanspruches an den Vater. Natürlich reichen die
hier verwendeten Kategorien nicht aus, um den Erklärungsansprüchen auch nur des einfachsten
Falles von Psychoneurose zu genügen. Es kommen immer noch andere Gesichtspunkte in
Betracht.
Eine solche Verdrängung wie im Falle der Tierphobie darf als eine gründlich mißglückte
bezeichnet werden. Das Werk der Verdrängung besteht nur in der Beseitigung und Ersetzung der
Vorstellung, die Unlustersparnis ist überhaupt nicht gelungen. Deshalb ruht die Arbeit der
Neurose auch nicht, sondern setzt sich in einem zweiten Tempo fort, um ihr nächstes, wichtigeres
Ziel zu erreichen. Es kommt zur Bildung eines Fluchtversuches, der eigentlichen Phobie, einer
Anzahl von Vermeidungen, welche die Angstentbindung ausschließen sollen. Durch welchen
Mechanismus die Phobie ans Ziel gelangt, können wir in einer spezielleren Untersuchung
verstehen lernen.
Zu einer ganz anderen Würdigung des Verdrängungsvorganges nötigt uns das Bild der echten
Konversionshysterie. Hier ist das Hervorstechende, daß es gelingen kann, den Affektbetrag zum
völligen Verschwinden zu bringen. Der Kranke zeigt dann gegen seine Symptome das Verhalten,
welches Charcot » la belle indifférence des hystériques« genannt hat. Andere Male gelingt diese
Unterdrückung nicht so vollständig, ein Anteil peinlicher Sensationen knüpft sich an die
Symptome selbst, oder ein Stück Angstentbindung hat sich nicht vermeiden lassen, das
seinerseits den Mechanismus der Phobiebildung ins Werk setzt. Der Vorstellungsinhalt der
Triebrepräsentanz ist dem Bewußtsein gründlich entzogen; als Ersatzbildung – und gleichzeitig
als Symptom – findet sich eine überstarke – in den vorbildlichen Fällen somatische – Innervation,
bald sensorischer, bald motorischer Natur, entweder als Erregung oder als Hemmung. Die
überinnervierte Stelle erweist sich bei näherer Betrachtung als ein Stück der verdrängten
Triebrepräsentanz selbst, welches wie durch Verdichtung die gesamte Besetzung auf sich
gezogen hat. Natürlich decken auch diese Bemerkungen den Mechanismus einer
Konversionshysterie nicht restlos auf; vor allem ist noch das Moment der Regression
hinzuzufügen, das in anderem Zusammenhang gewürdigt werden soll.
Die Verdrängung der Hysterie kann als völlig mißglückt beurteilt werden, insofern sie nur durch
ausgiebige Ersatzbildungen ermöglicht worden ist; mit Bezug auf die Erledigung des
Affektbetrages, die eigentliche Aufgabe der Verdrängung, bedeutet sie aber in der Regel einen
vollen Erfolg. Der Verdrängungsvorgang der Konversionshysterie ist dann auch mit der
Symptombildung abgeschlossen und braucht sich nicht wie bei Angsthysterie zweizeitig – oder
eigentlich unbegrenzt – fortzusetzen.
Ein ganz anderes Ansehen zeigt die Verdrängung wieder bei der dritten Affektion, die wir zu
dieser Vergleichung heranziehen, bei der Zwangsneurose. Hier gerät man zuerst in Zweifel, was
man als die der Verdrängung unterliegende Repräsentanz anzusehen hat, eine libidinöse oder eine
feindselige Strebung. Die Unsicherheit rührt daher, daß die Zwangsneurose auf der
Voraussetzung einer Regression ruht, durch welche eine sadistische Strebung an die Stelle der
zärtlichen getreten ist. Dieser feindselige Impuls gegen eine geliebte Person ist es, welcher der
Verdrängung unterliegt. Der Effekt ist in einer ersten Phase der Verdrängungsarbeit ein ganz
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Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Title
- Schriften von Sigmund Freud
- Subtitle
- (1856–1939)
- Author
- Sigmund Freud
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- Size
- 21.6 x 28.0 cm
- Pages
- 2789
- Keywords
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Categories
- Geisteswissenschaften
- Medizin