Page - 832 - in Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)
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sich zu der umfassenden Einheit des Ichs zusammenschließen können. Sie werden dann von
dieser Einheit durch den Prozeß der Verdrängung abgespalten, auf niedrigeren Stufen der
psychischen Entwicklung zurückgehalten und zunächst von der Möglichkeit einer Befriedigung
abgeschnitten. Gelingt es ihnen dann, was bei den verdrängten Sexualtrieben so leicht geschieht,
sich auf Umwegen zu einer direkten oder Ersatzbefriedigung durchzuringen, so wird dieser
Erfolg, der sonst eine Lustmöglichkeit gewesen wäre, vom Ich als Unlust empfunden. Infolge des
alten, in die Verdrängung auslaufenden Konfliktes hat das Lustprinzip einen neuerlichen
Durchbruch erfahren, gerade während gewisse Triebe am Werke waren, in Befolgung des
Prinzips neue Lust zu gewinnen. Die Einzelheiten des Vorganges, durch welchen die
Verdrängung eine Lustmöglichkeit in eine Unlustquelle verwandelt, sind noch nicht gut
verstanden oder nicht klar darstellbar, aber sicherlich ist alle neurotische Unlust von solcher Art,
ist Lust, die nicht als solche empfunden werden kann[35].
Die beiden hier angezeigten Quellen der Unlust decken noch lange nicht die Mehrzahl unserer
Unlusterlebnisse, aber vom Rest wird man mit einem Anschein von gutem Recht behaupten, daß
sein Vorhandensein der Herrschaft des Lustprinzips nicht widerspricht. Die meiste Unlust, die
wir verspüren, ist ja Wahrnehmungsunlust, entweder Wahrnehmung des Drängens unbefriedigter
Triebe oder äußere Wahrnehmung, sei es, daß diese an sich peinlich ist oder daß sie unlustvolle
Erwartungen im seelischen Apparat erregt, von ihm als »Gefahr« erkannt wird. Die Reaktion auf
diese Triebansprüche und Gefahrdrohungen, in der sich die eigentliche Tätigkeit des seelischen
Apparates äußert, kann dann in korrekter Weise vom Lustprinzip oder dem es modifizierenden
Realitätsprinzip geleitet werden. Somit scheint es nicht notwendig, eine weitergehende
Einschränkung des Lustprinzips anzuerkennen, und doch kann gerade die Untersuchung der
seelischen Reaktion auf die äußerliche Gefahr neuen Stoff und neue Fragestellungen zu dem hier
behandelten Problem liefern.
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Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Title
- Schriften von Sigmund Freud
- Subtitle
- (1856–1939)
- Author
- Sigmund Freud
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- Size
- 21.6 x 28.0 cm
- Pages
- 2789
- Keywords
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Categories
- Geisteswissenschaften
- Medizin