Page - 898 - in Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)
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versöhnen, fordert eine andere Erörterung zu ihrer Ergänzung heraus. Man möchte wissen, unter
welchen Umständen und durch welche Mittel es dem Ich gelingt, aus solchen gewiß immer
vorhandenen Konflikten ohne Erkrankung zu entkommen. Dies ist nun ein neues
Forschungsgebiet, auf dem sich gewiß die verschiedensten Faktoren zur Berücksichtigung
einfinden werden. Zwei Momente lassen sich aber sofort herausheben. Der Ausgang aller solchen
Situationen wird unzweifelhaft von ökonomischen Verhältnissen, von den relativen Größen der
miteinander ringenden Strebungen abhängen. Und ferner: es wird dem Ich möglich sein, den
Bruch nach irgendeiner Seite dadurch zu vermeiden, daß es sich selbst deformiert, sich Einbußen
an seiner Einheitlichkeit gefallen läßt, eventuell sogar sich zerklüftet oder zerteilt. Damit rückten
die Inkonsequenzen, Verschrobenheiten und Narrheiten der Menschen in ein ähnliches Licht wie
ihre sexuellen Perversionen, durch deren Annahme sie sich ja Verdrängungen ersparen.
Zum Schlusse ist der Frage zu gedenken, welches der einer Verdrängung analoge Mechanismus
sein mag, durch den das Ich sich von der Außenwelt ablöst. Ich meine, dies ist ohne neue
Untersuchungen nicht zu beantworten, aber er müßte, wie die Verdrängung, eine Abziehung der
vom Ich ausgeschickten Besetzung zum Inhalt haben.
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Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Title
- Schriften von Sigmund Freud
- Subtitle
- (1856–1939)
- Author
- Sigmund Freud
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- Size
- 21.6 x 28.0 cm
- Pages
- 2789
- Keywords
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Categories
- Geisteswissenschaften
- Medizin