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Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)
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Page - 967 - in Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)

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Gebote, die Anreihung durch das Bindewort und. Solche Anreihung bedeutet Zusammenhang; wir verstehen sie nicht anders. Wenn z.  B. Heine in der Harzreise von der Stadt Göttingen erzählt: »Im allgemeinen werden die Bewohner Göttingens eingeteilt in Studenten, Professoren, Philister und Vieh«, so verstehen wir diese Zusammenstellung genau in dem Sinne, der durch den Zusatz Heines noch unterstrichen wird: »welche vier Stände doch nichts weniger als scharf geschieden sind.« Oder, wenn er von der Schule spricht, wo er »soviel Latein, Prügel und Geographie« ausstehen mußte, so will diese Anreihung, die durch die Mittelstellung der Prügel zwischen den beiden Lehrgegenständen überdeutlich wird, uns sagen, daß wir die durch die Prügel unverkennbar bezeichnete Auffassung des Schulknaben gewiß auch auf Latein und Geographie ausdehnen sollen. Bei Lipps finden wir unter den Beispielen von »witziger Aufzählung« (»Koordination«) als nächst verwandt dem Heineschen »Studenten, Professoren, Philister und Vieh« den Vers: »Mit einer Gabel und mit Müh’ zog ihn die Mutter aus der Brüh’«; als ob die Mühe ein Instrument wäre wie die Gabel, setzt Lipps erläuternd hinzu. Wir empfangen aber den Eindruck, als sei dieser Vers gar nicht witzig, allerdings sehr komisch, während die Heinesche Anreihung ein unzweifelhafter Witz ist. Vielleicht werden wir uns später an diese Beispiele erinnern, wenn wir dem Problem des Verhältnisses von Komik und Witz nicht mehr auszuweichen brauchen. [10] Am Beispiel vom Herzog und vom Färber haben wir bemerkt, daß es ein Witz durch Unifizierung bliebe, wenn der Färber antworten würde: Nein, ich fürchte, der Schimmel wird das Sieden nicht vertragen. Seine Antwort lautete aber: Ja, Durchlaucht, wenn er das Sieden vertragen kann. In der Ersetzung des eigentlich hingehörigen »Nein« durch ein »Ja« liegt ein neues technisches Mittel des Witzes, dessen Verwendung wir an anderen Beispielen verfolgen wollen. Ein dem eben erwähnten bei K. Fischer benachbarter Witz ist einfacher: Friedrich der Große hört von einem Prediger in Schlesien, der im Rufe steht, mit Geistern zu verkehren; er läßt den Mann kommen und empfängt ihn mit der Frage: »Er kann Geister beschwören?« Die Antwort war: »Zu Befehl, Majestät, aber sie kommen nicht.« Hier ist es nun ganz augenfällig, daß das Mittel des Witzes in nichts anderem bestand als in der Ersetzung des einzig möglichen »Nein« durch sein Gegenteil. Um diese Ersetzung durchzuführen, mußte an das »Ja« ein »aber« geknüpft werden, so daß »ja« und »aber« dem Sinne von »nein« gleichkommen. Diese Darstellung durchs Gegenteil, wie wir sie nennen wollen, dient der Witzarbeit in verschiedenen Ausführungen. In folgenden zwei Beispielen tritt sie fast rein hervor: Heine: »Diese Frau glich in vielen Punkten der Venus von Melos: sie ist auch außerordentlich alt, hat ebenfalls keine Zähne und auf der gelblichen Oberfläche ihres Körpers einige weiße Flecken.« Eine Darstellung der Häßlichkeit vermittels ihrer Übereinstimmungen mit dem Schönsten; diese Übereinstimmungen können freilich nur in doppelsinnig ausgedrückten Eigenschaften oder in 967
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Schriften von Sigmund Freud (1856–1939)
Title
Schriften von Sigmund Freud
Subtitle
(1856–1939)
Author
Sigmund Freud
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
Size
21.6 x 28.0 cm
Pages
2789
Keywords
Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
Categories
Geisteswissenschaften
Medizin
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