Page - 1002 - in Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)
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von der Ersparung an psychischem Aufwand abzuleiten, kann uns wohl nicht verwehrt werden,
wenn dieser Gesichtspunkt sich fruchtbar zur Aufklärung von Einzelheiten und zur Gewinnung
neuer Allgemeinheiten erweist. Wir wissen, daß wir noch die Art, wie die Ersparung zustande
kommt, und den Sinn des Ausdrucks »psychischer Aufwand« deutlich zu machen haben.
Die dritte Gruppe der Techniken des Witzes – zumeist des Gedankenwitzes –, welche die
Denkfehler, Verschiebungen, den Widersinn, die Darstellung durch das Gegenteil u. a. umfaßt,
mag für den ersten Anschein ein besonderes Gepräge tragen und keine Verwandtschaft mit den
Techniken des Wiederfindens des Bekannten oder des Ersatzes der Gegenstandsassoziationen
durch die Wortassoziationen verraten; es ist nichtsdestoweniger gerade hier sehr leicht, den
Gesichtspunkt der Ersparung oder Erleichterung des psychischen Aufwandes zur Geltung zu
bringen.
Daß es leichter und bequemer ist, von einem eingeschlagenen Gedankenweg abzuweichen als ihn
festzuhalten, Unterschiedenes zusammenzuwerfen als es in Gegensatz zu bringen, und gar
besonders bequem, von der Logik verworfene Schlußweisen gelten zu lassen, endlich bei der
Zusammenfügung von Worten oder Gedanken von der Bedingung abzusehen, daß sie auch einen
Sinn ergeben sollen: dies ist allerdings nicht zweifelhaft, und gerade dies tun die in Rede
stehenden Techniken des Witzes. Befremden wird aber die Aufstellung erregen, daß solches Tun
der Witzarbeit eine Quelle der Lust eröffnet, da wir gegen alle derartigen Minderleistungen der
Denktätigkeit außerhalb des Witzes nur unlustige Abwehrgefühle verspüren können.
Die »Lust am Unsinn«, wie wir abkürzend sagen können, ist im ernsthaften Leben allerdings bis
zum Verschwinden verdeckt. Um sie nachzuweisen, müssen wir auf zwei Fälle eingehen, in
denen sie noch sichtbar ist und wieder sichtbar wird, auf das Verhalten des lernenden Kindes und
das des Erwachsenen in toxisch veränderter Stimmung. In der Zeit, da das Kind den Wortschatz
seiner Muttersprache handhaben lernt, bereitet es ihm ein offenbares Vergnügen, mit diesem
Material »spielend zu experimentieren« (Groos), und es fügt die Worte, ohne sich an die
Sinnbedingung zu binden, zusammen, um den Lusteffekt des Rhythmus oder des Reimes mit
ihnen zu erzielen. Dieses Vergnügen wird ihm allmählich verwehrt, bis ihm nur die sinnreichen
Wortverbindungen als gestattete erübrigen. Noch in spätere Jahre ragen dann die Bestrebungen,
sich über die erlernten Einschränkungen im Gebrauche der Worte hinauszusetzen, indem man
dieselben durch bestimmte Anhängsel verunstaltet, ihre Formen durch gewisse Veranstaltungen
verändert (Reduplikationen, Zittersprache) oder sich sogar für den Gebrauch unter den Gespielen
eine eigene Sprache zurechtmacht, Bemühungen, welche dann bei den Geisteskranken gewisser
Kategorien wieder auftauchen.
Ich meine, welches immer das Motiv war, dem das Kind folgte, als es mit solchen Spielen
begann, in weiterer Entwicklung gibt es sich ihnen mit dem Bewußtsein, daß sie unsinnig sind,
hin und findet das Vergnügen in diesem Reiz des von der Vernunft Verbotenen. Es benützt nun
das Spiel dazu, sich dem Drucke der kritischen Vernunft zu entziehen. Weit gewaltiger sind aber
die Einschränkungen, die bei der Erziehung zum richtigen Denken und zur Sonderung des in der
Realität Wahren vom Falschen Platz greifen müssen, und darum ist die Auflehnung gegen den
Denk- und Realitätszwang eine tiefgreifende und lang anhaltende; selbst die Phänomene der
Phantasiebetätigung fallen unter diesen Gesichtspunkt. Die Macht der Kritik ist in dem späteren
Abschnitt der Kindheit und in der über die Pubertät hinausreichenden Periode des Lernens meist
so sehr gewachsen, daß die Lust am »befreiten Unsinn« sich nur selten direkt zu äußern wagt.
Man getraut sich nicht, Widersinn auszusprechen; aber die für den Buben charakteristische
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Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Title
- Schriften von Sigmund Freud
- Subtitle
- (1856–1939)
- Author
- Sigmund Freud
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- Size
- 21.6 x 28.0 cm
- Pages
- 2789
- Keywords
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Categories
- Geisteswissenschaften
- Medizin