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oben); sowie er Denkarbeit in Anspruch nehmen, eine Auswahl unter verschiedenen
Gedankenwegen erfordern würde, müßte er die Wirkung nicht nur durch den unvermeidlichen
Denkaufwand, sondern auch durch die Erweckung der Aufmerksamkeit gefährden. Außerdem
aber bedient er sich des Kunstgriffs, die Aufmerksamkeit abzulenken, indem er ihr im Ausdruck
des Witzes etwas darbietet, was sie fesselt, so daß sich unterdes die Befreiung der
Hemmungsbesetzung und deren Abfuhr ungestört durch sie vollziehen kann. Bereits die
Auslassungen im Wortlaut des Witzes erfüllen diese Absicht; sie regen zur Ausfüllung der
Lücken an und bringen es auf diese Weise zustande, den Witzvorgang von der Aufmerksamkeit
zu befreien. Hier wird gleichsam die Technik des Rätsels, welches die Aufmerksamkeit anzieht,
in den Dienst der Witzarbeit gestellt. Noch viel wirksamer sind die Fassadenbildungen, die wir
zumal bei manchen Gruppen von tendenziösen Witzen gefunden haben (vgl. S. 100 ff.). Die
syllogistischen Fassaden erfüllen den Zweck, die Aufmerksamkeit durch eine ihr gestellte
Aufgabe festzuhalten, in ausgezeichneter Weise. Während wir nachzudenken beginnen, worin
wohl diese Antwort gefehlt haben mag, lachen wir bereits; unsere Aufmerksamkeit ist
überrumpelt worden, die Abfuhr der frei gewordenen Hemmungsbesetzung ist vollzogen. Das
nämliche gilt für die Witze mit komischer Fassade, bei denen die Komik der Witztechnik
Hilfsdienste leistet. Eine komische Fassade fördert die Wirkung des Witzes auf mehr als eine
Weise, sie ermöglicht nicht nur den Automatismus des Witzvorganges durch die Fesselung der
Aufmerksamkeit, sondern erleichtert auch die Abfuhr vom Witz her, indem sie eine Abfuhr vom
Komischen her vorausschickt. Die Komik wirkt hier ganz wie eine bestechende Vorlust, und so
mögen wir es verstehen, daß manche Witze auf die durch die sonstigen Mittel des Witzes
hergestellte Vorlust ganz zu verzichten vermögen und sich nur des Komischen als Vorlust
bedienen. Unter den eigentlichen Techniken des Witzes sind es insbesondere die Verschiebung
und die Darstellung durch Absurdes, welche außer ihrer sonstigen Eignung auch die für den
automatischen Ablauf des Witzvorganges wünschenswerte Ablenkung der Aufmerksamkeit
entfalten[48].
Wir ahnen bereits und werden es späterhin noch besser einsehen können, daß wir mit der
Bedingung der Ablenkung der Aufmerksamkeit keinen unwesentlichen Zug des psychischen
Vorganges beim Hörer des Witzes aufgedeckt haben. Im Zusammenhange mit diesem können wir
noch anderes verstehen. Erstens, wie es kommt, daß wir beim Witz fast niemals wissen, worüber
wir lachen, obwohl wir es durch eine analytische Untersuchung feststellen können. Dieses
Lachen ist eben das Ergebnis eines automatischen Vorganges, der erst durch die Fernhaltung
unserer bewußten Aufmerksamkeit ermöglicht wurde. Zweitens gewinnen wir das Verständnis
für die Eigentümlichkeit des Witzes, seine volle Wirkung auf den Hörer nur zu äußern, wenn er
ihm neu ist, ihm als Überraschung entgegentritt. Diese Eigenschaft des Witzes, die seine
Kurzlebigkeit bedingt und zur Produktion immer neuer Witze auffordert, leitet sich offenbar
davon ab, daß es im Wesen einer Überraschung oder Überrumpelung liegt, kein zweites Mal zu
gelingen. Bei einer Wiederholung des Witzes wird die Aufmerksamkeit durch die aufsteigende
Erinnerung an das erste Mal geleitet. Von hier aus eröffnet sich dann das Verständnis für den
Drang, den gehörten Witz anderen, die ihn noch nicht kennen, zu erzählen. Wahrscheinlich holt
man sich ein Stück der infolge mangelnder Neuheit entfallenden Genußmöglichkeit aus dem
Eindruck wieder, den der Witz auf den Neuling macht. Und ein analoges Motiv mag den
Schöpfer des Witzes getrieben haben, ihn überhaupt dem anderen mitzuteilen.
[3] Als Begünstigungen, wenn auch nicht mehr als Bedingungen, des Witzvorganges führe ich zu
dritt jene technischen Hilfsmittel der Witzarbeit an, welche dazu bestimmt sind, den zur Abfuhr
gelangenden Betrag zu erhöhen, und die auf solche Art die Wirkung des Witzes steigern.
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Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Title
- Schriften von Sigmund Freud
- Subtitle
- (1856–1939)
- Author
- Sigmund Freud
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- Size
- 21.6 x 28.0 cm
- Pages
- 2789
- Keywords
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Categories
- Geisteswissenschaften
- Medizin