Page - 1049 - in Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)
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Glückwunschtelegramm zum 70. Geburtstag eines Spielers: »Trente et quarante.« (Zerteilung
mit Anspielung.)
Hevesi beschreibt einmal den Prozeß der Tabakfabrikation: »Die hellgelben Blätter … wurden da
in eine Beize getunkt und in dieser Tunke gebeizt.« (Mehrfache Verwendung des nämlichen
Materials.)
Madame de Maintenon wurde Mme. de Maintenant genannt. (Namensmodifikation.)
Prof. Kästner sagt zu einem Prinzen, der sich während einer Demonstration vor das Fernrohr
gestellt: »Mein Prinz, ich weiß wohl, daß Sie durchlauchtig sind, aber Sie sind nicht
durchsichtig.«
Graf Andrássy wurde der Minister des schönen Äußeren genannt.
Man könnte ferner glauben, daß wenigstens alle Witze mit Unsinnsfassade komisch erscheinen
und so wirken müssen. Allein ich erinnere hier daran, daß solche Witze sehr oft eine andere
Wirkung auf den Hörer haben, Verblüffung und Neigung zur Ablehnung hervorrufen (s. S. 130,
Anm. 43). Es kommt also offenbar darauf an, ob der Unsinn des Witzes als komischer oder als
gemeiner, barer Unsinn erscheint, wofür wir die Bedingung noch nicht erforscht haben. Wir
verbleiben demnach bei dem Schlusse, daß der Witz seiner Natur nach vom Komischen zu
sondern ist und nur einerseits in gewissen speziellen Fällen, anderseits in der Tendenz, Lust aus
intellektuellen Quellen zu gewinnen, mit ihm zusammentrifft.
Während dieser Untersuchungen über die Beziehungen von Witz und Komik enthüllt sich uns
nun jener Unterschied, den wir als den bedeutsamsten betonen müssen und der gleichzeitig auf
einen psychologischen Hauptcharakter der Komik hinweist. Die Quelle der Lust des Witzes
mußten wir in das Unbewußte verlegen; keine Veranlassung zur gleichen Lokalisation ist für das
Komische erfindlich. Vielmehr deuten alle Analysen, die wir bisher angestellt haben, darauf hin,
daß die Quelle der komischen Lust die Vergleichung zweier Aufwände ist, die wir beide dem
Vorbewußten zuordnen müssen. Witz und Komik unterscheiden sich vor allem in der
psychischen Lokalisation; der Witz ist sozusagen der Beitrag zur Komik aus dem Bereich des
Unbewußten.
[3]
Wir brauchen uns nicht zu beschuldigen, daß wir uns in eine Abschweifung eingelassen haben,
da ja das Verhältnis des Witzes zur Komik der Anlaß ist, welcher uns zur Untersuchung des
Komischen gedrängt hat. Es ist aber wohl an der Zeit, daß wir zu unserem dermaligen Thema
zurückkehren, zur Behandlung der Mittel, welche dem Komischmachen dienen. Wir haben die
Erörterung der Karikatur und der Entlarvung vorausgeschickt, weil wir aus ihnen beiden einige
Anknüpfungen für die Analyse der Komik der Nachahmung entnehmen können. Die
Nachahmung ist wohl zumeist mit Karikatur, Übertreibung einiger sonst nicht auffälliger Züge
versetzt und trägt auch den Charakter der Herabsetzung an sich. Doch scheint ihr Wesen hiemit
nicht erschöpft; es ist unleugbar, daß sie an sich eine außerordentlich ergiebige Quelle der
komischen Lust darstellt, indem wir gerade über die Treue der Nachahmung besonders lachen. Es
ist nicht leicht, hiefür eine befriedigende Aufklärung zu geben, wenn man sich nicht der Ansicht
von Bergson (1900) anschließen will, durch welche die Komik der Nachahmung nahe an die
durch Aufdeckung des psychischen Automatismus herangerückt wird. Bergson meint, daß alles
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Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Title
- Schriften von Sigmund Freud
- Subtitle
- (1856–1939)
- Author
- Sigmund Freud
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- Size
- 21.6 x 28.0 cm
- Pages
- 2789
- Keywords
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Categories
- Geisteswissenschaften
- Medizin