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Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)
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Page - 1051 - in Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)

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Beitrag aus den Bedingungen der Vorstellungsmimik mögen etwa den allmählichen, durch quantitative Verhältnisse bestimmten Übergang des allgemein Lustvollen in das Komische bei der Vergleichung erklären. Ich gehe wohl Mißverständnissen aus dem Wege, indem ich hervorhebe, daß ich die komische Lust beim Gleichnis nicht aus dem Kontrast der beiden Verglichenen, sondern aus der Differenz der beiden Abstraktionsaufwände ableite. Das schwer zu fassende Fremde, Abstrakte, eigentlich intellektuell Erhabene wird nun durch die behauptete Übereinstimmung mit einem vertrauten Niedrigen, bei dessen Vorstellung jeder Abstraktionsaufwand wegfällt, selbst als etwas ebenso Niedriges entlarvt. Die Komik der Vergleichung reduziert sich also auf einen Fall von Degradierung. Der Vergleich kann nun, wie wir früher gesehen haben, witzig sein ohne die Spur von komischer Beimengung, dann nämlich, wenn er gerade der Herabsetzung ausweicht. So ist der Vergleich der Wahrheit mit einer Fackel, die man nicht durch ein Gedränge tragen kann, ohne jemandem den Bart zu versengen, rein witzig, weil er eine erloschene Redensart (»Die Fackel der Wahrheit«) vollwertig nimmt, und gar nicht komisch, weil die Fackel als Objekt einer gewissen Vornehmheit, obwohl sie ein konkreter Gegenstand ist, nicht entbehrt. Ein Vergleich kann aber leicht ebensowohl witzig sein als auch komisch, und zwar das eine unabhängig vom anderen, indem die Vergleichung ein Behelf für gewisse Techniken des Witzes, z.  B. die Unifizierung oder die Anspielung wird. So ist der Nestroysche Vergleich der Erinnerung mit einem »Magazin« (S. 82) gleichzeitig komisch und witzig, ersteres wegen der außerordentlichen Herabsetzung, die sich der psychologische Begriff im Vergleich mit einem »Magazin« gefallen lassen muß, das andere aber, weil der, welcher den Vergleich gebraucht, ein Kommis ist, in dieser Vergleichung also eine ganz unerwartete Unifizierung zwischen der Psychologie und seiner Berufstätigkeit herstellt. Die Heinesche Zeile »Bis mir endlich alle Knöpfe rissen an der Hose der Geduld« erscheint zunächst bloß als ein ausgezeichnetes Beispiel eines komisch erniedrigenden Vergleichs; bei näherer Überlegung muß man ihr aber auch den Charakter des Witzigen zugestehen, da der Vergleich als Mittel der Anspielung ins Bereich des Obszönen einschlägt und es so zustande bringt, die Lust am Obszönen frei zu machen. Aus dem nämlichen Material entsteht für uns durch ein freilich nicht ganz zufälliges Zusammentreffen gleichzeitig komischer und witziger Lustgewinn; mögen die Bedingungen des einen auch die Entstehung des anderen fördern, für das »Gefühl«, welches uns angeben soll, ob hier Witz oder Komik vorliegt, ist solche Vereinigung ein verwirrender Einfluß, und erst eine von der Lustdisposition unabhängig gewordene aufmerksame Untersuchung kann die Entscheidung bringen. So verlockend es wäre, diesen intimeren Bedingtheiten des komischen Lustgewinnes nachzuspüren, so muß doch der Autor sich vorhalten, daß weder seine Vorbildung noch sein täglicher Beruf ihn berechtigen, seine Untersuchungen weit hinaus über die Sphäre des Witzes zu erstrecken, und darf eingestehen, daß gerade das Thema der komischen Vergleichung ihm seine Inkompetenz fühlbar macht. Wir lassen uns also gern daran mahnen, daß viele Autoren die scharfe begriffliche und sachliche Scheidung zwischen Witz und Komik nicht anerkennen, zu der wir uns veranlaßt sahen, und daß diese den Witz einfach als das »Komische der Rede« oder »der Worte« hinstellen. Zur Prüfung dieser Ansicht wollen wir uns je ein Beispiel von absichtlicher und von unfreiwilliger Komik der Rede für den Vergleich mit dem Witze auswählen. Wir haben bereits an einer früheren Stelle bemerkt, daß wir uns sehr wohl imstande glauben, komische Rede von witziger Rede zu unterscheiden. 1051
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Schriften von Sigmund Freud (1856–1939)
Title
Schriften von Sigmund Freud
Subtitle
(1856–1939)
Author
Sigmund Freud
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
Size
21.6 x 28.0 cm
Pages
2789
Keywords
Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
Categories
Geisteswissenschaften
Medizin
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