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Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)
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Page - 1054 - in Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)

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als eine Weise zurechtlegen können. Entweder entsteht die Komik aus der Aufdeckung der Denkweisen des Unbewußten wie in früher betrachteten Fällen, oder es ist der Vergleich mit dem vollkommenen Witz, aus dem die Lust hervorgeht. Es hindert uns nichts anzunehmen, daß beiderlei Entstehungsweisen der komischen Lust hier zusammentreffen. Es ist nicht abzuweisen, daß gerade die unzulängliche Anlehnung an den Witz den Unsinn hier zu einem komischen Unsinn macht. Es gibt nämlich andere leicht zu durchschauende Fälle, in denen solche Unzulänglichkeit durch den Vergleich mit dem zu Leistenden den Unsinn unwiderstehlich komisch werden läßt. Das Gegenstück des Witzes, das Rätsel, kann uns hiefür vielleicht bessere Beispiele als der Witz selbst geben. Eine Scherzfrage lautet z.  B.: Was ist das: Es hängt an der Wand und man kann sich an ihm die Hände abtrocknen? Es wäre ein dummes Rätsel, wenn die Antwort lauten würde: Ein Handtuch. Diese Antwort wird vielmehr zurückgewiesen. – Nein, ein Hering. – Aber um Gottes willen, heißt dann der entsetzte Einwand, ein Hering hängt doch nicht an der Wand. – Du kannst ihn ja hinhängen. – Aber wer wird sich denn an einem Hering die Hände abtrocknen? – Nun, sagt die beschwichtigende Antwort, du mußt ja nicht. – Diese durch zwei typische Verschiebungen gegebene Aufklärung zeigt, wieviel dieser Frage zu einem wirklichen Rätsel fehlt, und wegen dieser absoluten Unzulänglichkeit erscheint sie anstatt bloß unsinnig dumm – unwiderstehlich komisch. Auf solche Weise, durch Nichteinhaltung wesentlicher Bedingungen können also Witz, Rätsel und anderes, die an sich komische Lust nicht ergeben, zu Quellen komischer Lust gemacht werden. Noch geringere Schwierigkeiten bereitet dem Verständnis der Fall der unfreiwilligen Komik der Rede, den wir etwa in den Gedichten der Friederike Kempner (1891) in uns beliebender Häufigkeit verwirklicht finden können. Gegen die Vivisektion. Ein unbekanntes Band der Seelen kettet Den Menschen an das arme Tier. Das Tier hat einen Willen – ergo Seele – Wenn auch ’ne kleinere als wir. Oder ein Gespräch zwischen zärtlichen Ehegatten: Der Kontrast. »Wie glücklich bin ich«, ruft sie leise, »Auch ich«, sagt lauter ihr Gemahl, »Es macht mich deine Art und Weise 1054
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Schriften von Sigmund Freud (1856–1939)
Title
Schriften von Sigmund Freud
Subtitle
(1856–1939)
Author
Sigmund Freud
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
Size
21.6 x 28.0 cm
Pages
2789
Keywords
Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
Categories
Geisteswissenschaften
Medizin
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