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Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)
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Page - 1060 - in Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)

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Der macht es so, wie ich es als Kind gemacht habe. Dieses Lachen gälte also jedesmal dem Vergleich zwischen dem Ich des Erwachsenen und dem Ich als Kind. Selbst die Ungleichsinnigkeit der komischen Differenz, daß mir bald das Mehr, bald das Minder des Aufwandes komisch erscheint, würde mit der infantilen Bedingung stimmen; das Komische ist dabei tatsächlich stets auf der Seite des Infantilen. Es widerspricht dem nicht, daß das Kind selbst als Objekt der Vergleichung mir keinen komischen, sondern einen rein lustvollen Eindruck macht; auch nicht, daß dieser Vergleich mit dem Infantilen nur dann komisch wirkt, wenn eine andere Verwendung der Differenz vermieden wird. Denn dabei kommen die Bedingungen der Abfuhr in Betracht. Alles was einen psychischen Vorgang in einen Zusammenhang einschließt, wirkt der Abfuhr der überschüssigen Besetzung entgegen und führt diese einer anderen Verwendung zu; was einen psychischen Akt isoliert, begünstigt die Abfuhr. Die bewußte Einstellung auf das Kind als Vergleichsperson macht daher die Abfuhr unmöglich, die zur komischen Lust erforderlich ist; nur bei vorbewußter Besetzung ergibt sich eine ähnliche Annäherung an die Isolierung, wie wir sie übrigens auch den seelischen Vorgängen im Kinde zuschreiben dürfen. Der Zusatz zum Vergleiche: So hab’ ich es als Kind auch gemacht, von dem die komische Wirkung ausginge, käme also für mittlere Differenzen erst dann in Betracht, wenn kein anderer Zusammenhang sich des frei gewordenen Überschusses bemächtigen könnte. Verweilen wir noch bei dem Versuch, das Wesen des Komischen in der vorbewußten Anknüpfung an das Infantile zu finden, so müssen wir einen Schritt über Bergson hinaus tun und zugeben, daß der das Komische ergebende Vergleich nicht etwa alte Kinderlust und Kinderspiel erwecken müsse, sondern daß es hinreiche, wenn er an kindliches Wesen überhaupt, vielleicht selbst an Kinderleid rühre. Wir entfernen uns hierin von Bergson, bleiben aber im Einklang mit uns selbst, wenn wir die komische Lust nicht auf erinnerte Lust, sondern immer wieder auf einen Vergleich beziehen. Vielleicht daß die Fälle der ersteren Art das regelmäßig und unwiderstehlich Komische einigermaßen decken. Ziehen wir hier das vorhin angeführte Schema der komischen Möglichkeiten heran. Wir sagten, die komische Differenz würde gefunden entweder a) durch einen Vergleich zwischen dem anderen und dem Ich, oder b) durch einen Vergleich ganz innerhalb des anderen, oder c) durch einen Vergleich ganz innerhalb des Ichs.Im ersteren Falle erschiene der andere mir als Kind, im zweiten ließe er sich selbst zum Kind herab, im dritten fände ich das Kind in mir selbst. [a] Zum ersten Falle gehören das Komische der Bewegung und der Formen, der geistigen Leistung und des Charakters; das entsprechende Infantile wären der Bewegungsdrang und die geistige und sittliche Minderentwicklung des Kindes, so daß etwa der Dumme mir komisch würde, insofern er mich an ein faules, der Böse, insofern er an ein schlimmes Kind mahnt. Von einer dem Erwachsenen verlorengegangenen Kinderlust könnte man nur das eine Mal reden, wo die dem Kind eigene Bewegungsfreudigkeit in Betracht kommt. [b] Der zweite Fall, bei welchem die Komik ganz auf »Einfühlung« beruht, umfaßt die zahlreichsten Möglichkeiten, die Komik der Situation, der Übertreibung (Karikatur), der Nachahmung, der Herabsetzung und der Entlarvung. Es ist derjenige Fall, dem die Einführung des infantilen Gesichtspunktes am meisten zustatten kommt. Denn die Situationskomik gründet sich zumeist auf Verlegenheiten, in denen wir die Hilflosigkeit des Kindes wiederfinden; die 1060
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Schriften von Sigmund Freud (1856–1939)
Title
Schriften von Sigmund Freud
Subtitle
(1856–1939)
Author
Sigmund Freud
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
Size
21.6 x 28.0 cm
Pages
2789
Keywords
Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
Categories
Geisteswissenschaften
Medizin
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