Page - 1079 - in Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)
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In diese Phase der Entwicklung des jungen Menschen fällt sein Zusammentreffen mit den
Lehrern. Wir verstehen jetzt unser Verhältnis zu unseren Gymnasialprofessoren. Diese Männer,
die nicht einmal alle selbst Väter waren, wurden uns zum Vaterersatz. Darum kamen sie uns,
auch wenn sie noch sehr jung waren, so gereift, so unerreichbar erwachsen vor. Wir übertrugen
auf sie den Respekt und die Erwartungen von dem allwissenden Vater unserer Kindheitsjahre,
und dann begannen wir, sie zu behandeln wie unsere Väter zu Hause. Wir brachten ihnen die
Ambivalenz entgegen, die wir in der Familie erworben hatten, und mit Hilfe dieser Einstellung
rangen wir mit ihnen, wie wir mit unseren leiblichen Vätern zu ringen gewohnt waren. Ohne
Rücksicht auf die Kinderstube und das Familienhaus wäre unser Benehmen gegen unsere Lehrer
nicht zu verstehen, aber auch nicht zu entschuldigen.
Noch andere und kaum weniger wichtige Erlebnisse hatten wir als Gymnasiasten mit den
Nachfahren unserer Geschwister, mit unseren Kameraden, aber diese sollen auf einem anderen
Blatt beschrieben werden. Das Jubiläum der Schule hält unsere Gedanken bei den Lehrern fest.
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Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Title
- Schriften von Sigmund Freud
- Subtitle
- (1856–1939)
- Author
- Sigmund Freud
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- Size
- 21.6 x 28.0 cm
- Pages
- 2789
- Keywords
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Categories
- Geisteswissenschaften
- Medizin