Page - 1097 - in Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)
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Krokodile im Hause spuken oder daß die hölzernen Scheusale im Dunkeln Leben bekommen
oder etwas Ähnliches. Es war eine recht einfältige Geschichte, aber ihre unheimliche Wirkung
verspürte man als ganz hervorragend.
Zum Schlusse dieser gewiß noch unvollständigen Beispielsammlung soll eine Erfahrung aus der
psychoanalytischen Arbeit erwähnt werden, die, wenn sie nicht auf einem zufälligen
Zusammentreffen beruht, die schönste Bekräftigung unserer Auffassung des Unheimlichen mit
sich bringt. Es kommt oft vor, daß neurotische Männer erklären, das weibliche Genitale sei ihnen
etwas Unheimliches. Dieses Unheimliche ist aber der Eingang zur alten Heimat des
Menschenkindes, zur Örtlichkeit, in der jeder einmal und zuerst geweilt hat. »Liebe ist
Heimweh«, behauptet ein Scherzwort, und wenn der Träumer von einer Örtlichkeit oder
Landschaft noch im Traume denkt: Das ist mir bekannt, da war ich schon einmal, so darf die
Deutung dafür das Genitale oder den Leib der Mutter einsetzen. Das Unheimliche ist also auch in
diesem Falle das ehemals Heimische, Altvertraute. Die Vorsilbe » un« an diesem Worte ist aber
die Marke der Verdrängung.
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Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Title
- Schriften von Sigmund Freud
- Subtitle
- (1856–1939)
- Author
- Sigmund Freud
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- Size
- 21.6 x 28.0 cm
- Pages
- 2789
- Keywords
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Categories
- Geisteswissenschaften
- Medizin