Page - 1102 - in Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)
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andere Konstellation wird uns der Eindruck des Unheimlichen in der Nestroyschen Posse Der
Zerrissene erspart, wenn der Geflüchtete, der sich für einen Mörder hält, aus jeder Falltür, deren
Deckel er aufhebt, das vermeintliche Gespenst des Ermordeten aufsteigen sieht und verzweifelt
ausruft: Ich hab’ doch nur einen umgebracht. Zu was diese gräßliche Multiplikation? Wir kennen
die Vorbedingungen dieser Szene, teilen den Irrtum des »Zerrissenen« nicht, und darum wirkt,
was für ihn unheimlich sein muß, auf uns mit unwiderstehlicher Komik. Sogar ein »wirkliches«
Gespenst wie das in O. Wildes Erzählung Der Geist von Canterville muß all seiner Ansprüche,
wenigstens Grauen zu erregen, verlustig werden, wenn der Dichter sich den Scherz macht, es zu
ironisieren und hänseln zu lassen. So unabhängig kann in der Welt der Fiktion die
Gefühlswirkung von der Stoffwahl sein. In der Welt der Märchen sollen Angstgefühle, also auch
unheimliche Gefühle überhaupt nicht erweckt werden. Wir verstehen das und sehen darum auch
über die Anlässe hinweg, bei denen etwas Derartiges möglich wäre.
Von der Einsamkeit, Stille und Dunkelheit können wir nichts anderes sagen, als daß dies wirklich
die Momente sind, an welche die bei den meisten Menschen nie ganz erlöschende Kinderangst
geknüpft ist. Die psychoanalytische Forschung hat sich mit dem Problem derselben an anderer
Stelle auseinandergesetzt.
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Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Title
- Schriften von Sigmund Freud
- Subtitle
- (1856–1939)
- Author
- Sigmund Freud
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- Size
- 21.6 x 28.0 cm
- Pages
- 2789
- Keywords
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Categories
- Geisteswissenschaften
- Medizin