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III Die Umgestaltung der Pubertät
Mit dem Eintritt der Pubertät setzen die Wandlungen ein, welche das infantile Sexualleben in
seine endgültige normale Gestaltung überführen sollen. Der Sexualtrieb war bisher vorwiegend
autoerotisch, er findet nun das Sexualobjekt. Er betätigte sich bisher von einzelnen Trieben und
erogenen Zonen aus, die unabhängig voneinander eine gewisse Lust als einziges Sexualziel
suchten. Nun wird ein neues Sexualziel gegeben, zu dessen Erreichung alle Partialtriebe
zusammenwirken, während die erogenen Zonen sich dem Primat der Genitalzone unterordnen[65].
Da das neue Sexualziel den beiden Geschlechtern sehr verschiedene Funktionen anweist, geht
deren Sexualentwicklung nun weit auseinander. Die des Mannes ist die konsequentere, auch
unserem Verständnis leichter zugängliche, während beim Weibe sogar eine Art Rückbildung
auftritt. Die Normalität des Geschlechtslebens wird nur durch das exakte Zusammentreffen der
beiden auf Sexualobjekt und Sexualziel gerichteten Strömungen, der zärtlichen und der
sinnlichen, gewährleistet, von denen die erstere in sich faßt, was von der infantilen Frühblüte der
Sexualität erübrigt. Es ist wie der Durchschlag eines Tunnels von beiden Seiten her.
Das neue Sexualziel besteht beim Manne in der Entladung der Geschlechtsprodukte; es ist dem
früheren, der Erreichung von Lust, keineswegs fremd, vielmehr ist der höchste Betrag von Lust
an diesen Endakt des Sexualvorganges geknüpft. Der Sexualtrieb stellt sich jetzt in den Dienst
der Fortpflanzungsfunktion; er wird sozusagen altruistisch. Soll diese Umwandlung gelingen, so
muß beim Vorgang derselben mit den ursprünglichen Anlagen und allen Eigentümlichkeiten der
Triebe gerechnet werden.
Wie bei jeder anderen Gelegenheit, wo im Organismus neue Verknüpfungen und
Zusammensetzungen zu komplizierten Mechanismen stattfinden sollen, ist auch hier die
Gelegenheit zu krankhaften Störungen durch Unterbleiben dieser Neuordnungen gegeben. Alle
krankhaften Störungen des Geschlechtslebens sind mit gutem Rechte als
Entwicklungshemmungen zu betrachten.
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Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Title
- Schriften von Sigmund Freud
- Subtitle
- (1856–1939)
- Author
- Sigmund Freud
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- Size
- 21.6 x 28.0 cm
- Pages
- 2789
- Keywords
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Categories
- Geisteswissenschaften
- Medizin