Page - 2628 - in Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)
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donnent l’interprétation désirée avant d’avoir parfaitement saisi et reçu toutes les interrogations
désirables.« Unter diesen Fragen befinden sich regelmäßig solche um genaue Angaben über die
nächsten Familienangehörigen (Eltern, Frau, Kinder) sowie die typische Formel: »habuistine in
hac nocte copulam conjugalem ante vel post somnium?« – »L’idée dominante dans
l’interprétation des songes consiste à expliquer le rêve par son opposé.«
[29] Dr. Alfred Robitsek macht mich darauf aufmerksam, daß die orientalischen Traumbücher,
von denen die unsrigen klägliche Abklatsche sind, die Deutung der Traumelemente meist nach
dem Gleichklang und der Ähnlichkeit der Worte vornehmen. Da diese Verwandtschaften bei der
Übersetzung in unsere Sprache verlorengehen müssen, würde daher die Unbegreiflichkeit der
Ersetzungen in unseren populären »Traumbüchern« stammen. – Über diese außerordentliche
Bedeutung des Wortspiels und der Wortspielerei in den alten orientalischen Kulturen mag man
sich aus den Schriften Hugo Wincklers unterrichten. – Das schönste Beispiel einer
Traumdeutung, welches uns aus dem Altertum überliefert ist, beruht auf einer Wortspielerei.
Artemidoros erzählt: »Es scheint mir aber auch Aristandros dem Alexandros von Makedonien
eine gar glückliche Auslegung gegeben zu haben, als dieser Tyros eingeschlossen hielt und
belagerte und wegen des großen Zeitverlustes, unwillig und betrübt, das Gefühl hatte, er sehe
einen Satyros auf seinem Schilde tanzen; zufällig befand sich Aristandros in der Nähe von Tyros
und im Geleite des Königs, der die Syrier bekriegte. Indem er nun das Wort Satyros in σά und
τυρος zerlegte, bewirkte er, daß der König die Belagerung nachdrücklicher in Angriff nahm, so
daß er Herr der Stadt wurde.« (Sà – TúroV = dein ist Tyros.) – Übrigens hängt der Traum so
innig am sprachlichen Ausdruck, daß Ferenczi mit Recht bemerken kann, jede Sprache habe ihre
eigene Traumsprache. Ein Traum ist in der Regel unübersetzbar in andere Sprachen und ein Buch
wie das vorliegende, meinte ich, darum auch. Nichtsdestoweniger ist es zuerst Dr. A. A. Brill in
New York, dann anderen nach ihm, gelungen, Übersetzungen der Traumdeutung zu schaffen.
[30] Nach Abschluß meines Manuskriptes ist mir eine Schrift von Stumpf (1899) zugegangen,
die in der Absicht zu erweisen, der Traum sei sinnvoll und deutbar, mit meiner Arbeit
zusammentrifft. Die Deutung geschieht aber mittels einer allegorisierenden Symbolik ohne
Gewähr für Allgemeingültigkeit des Verfahrens.
[31] Breuer und Freud (1895).
[32] H. Silberer hat aus der direkten Beobachtung dieser Umsetzung von Vorstellungen in
Gesichtsbilder wichtige Beiträge zur Deutung der Träume gewonnen. (1909, 1910 und 1912.)
[33] Immerhin will ich es nicht unterlassen, in Einschränkung des oben Gesagten anzugeben, daß
ich fast niemals die mir zugängliche vollständige Deutung eines eigenen Traumes mitgeteilt habe.
Ich hatte wahrscheinlich recht, der Diskretion der Leser nicht zuviel zuzutrauen.
[34] Es ist dies der erste Traum, den ich einer eingehenden Deutung unterzog.
[35] Auf diese dritte Person läßt sich auch die noch unaufgeklärte Klage über Schmerzen im Leib
zurückführen. Es handelt sich natürlich um meine eigene Frau; die Leibschmerzen erinnern mich
an einen der Anlässe, bei denen ihre Scheu mir deutlich wurde. Ich muß mir eingestehen, daß ich
Irma und meine Frau in diesem Traume nicht sehr liebenswürdig behandle, aber zu meiner
Entschuldigung sei bemerkt, daß ich beide am Ideal der braven, gefügigen Patientin messe.
[36] Ich ahne, daß die Deutung dieses Stücks nicht weit genug geführt ist, um allem verborgenen
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Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Title
- Schriften von Sigmund Freud
- Subtitle
- (1856–1939)
- Author
- Sigmund Freud
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- Size
- 21.6 x 28.0 cm
- Pages
- 2789
- Keywords
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Categories
- Geisteswissenschaften
- Medizin