Page - 2641 - in Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)
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Sie sei für ihre Person sicher, daß alle ihre Träume streng altruistische seien.
Zur Entschuldigung dieser rassestolzen Dame sei übrigens bemerkt, daß man den Satz, die
Träume seien durchaus egoistisch, nicht mißverstehen darf. Da alles, was überhaupt im
vorbewußten Denken vorkommt, in den Traum (Inhalt wie latente Traumgedanken) übertreten
kann, ist diese Möglichkeit auch den altruistischen Regungen offen. In derselben Weise wird eine
zärtliche oder verliebte Regung für eine andere Person, die im Unbewußten vorhanden ist, im
Traume erscheinen können. Das Richtige an obigem Satz schränkt sich also auf die Tatsache ein,
daß man unter den unbewußten Anregungen des Traumes sehr häufig egoistische Tendenzen
findet, die im Wachleben überwunden scheinen.
[109] Die analytische Untersuchung hat uns erraten lassen, daß an der Vorliebe der Kinder für
gymnastische Darstellungen und an deren Wiederholung im hysterischen Anfall außer der
Organlust noch ein anderes Moment beteiligt ist, das (oft unbewußte) Erinnerungsbild des (an
Menschen oder Tieren) beobachteten Sexualverkehrs.
[110] Ein junger, von Nervosität völlig freier Kollege teilt mir hiezu mit: »Ich weiß aus eigener
Erfahrung, daß ich früher beim Schaukeln, und zwar in dem Moment, wo die Abwärtsbewegung
die größte Wucht hat, ein eigentümliches Gefühl in den Genitalien bekam, das ich, obwohl es mir
eigentlich nicht angenehm war, doch als Lustgefühl bezeichnen muß.« – Von Patienten habe ich
oftmals gehört, daß die ersten Erektionen mit Lustgefühl, die sie erinnern, in der Knabenzeit beim
Klettern aufgetreten sind. – Aus den Psychoanalysen ergibt sich mit aller Sicherheit, daß häufig
die ersten sexuellen Regungen in den Rauf- und Ringspielen der Kinderjahre wurzeln.
[111] Hinweise auf die Verdichtung im Traum finden sich bei zahlreichen Autoren. Du Prel
äußert an einer Stelle (1885, 85), es sei absolut sicher, daß ein Verdichtungsprozeß der
Vorstellungsreihe stattgefunden habe.
[112] Man denke zur Würdigung dieser Darstellung des Dichters an die im Abschnitt über
Symbolik mitgeteilte Bedeutung der Stiegenträume.
[113] Die phantastische Natur der auf die Amme des Träumers bezüglichen Situation wird durch
den objektiv erhobenen Umstand erwiesen, daß die Amme in diesem Fall die Mutter war. Ich
erinnere übrigens an das auf S. 215 erwähnte Bedauern des jungen Mannes der Anekdote, die
Situation bei seiner Amme nicht besser ausgenützt zu haben, welches wohl die Quelle dieses
Traumes ist.
[114] Dies der eigentliche Traumerreger.
[115] Zu ergänzen: Solche Lektüre sei Gift für ein junges Mädchen. Sie selbst hat in ihrer Jugend
viel aus verbotenen Büchern geschöpft.
[116] Ein weiterer Gedankengang führt zur Penthesilea desselben Dichters: Grausamkeit gegen
den Geliebten.
[117] Die nämliche Zerlegung und Zusammensetzung der Silben – eine wahre Silbenchemie –
dient uns im Wachen zu mannigfachen Scherzen. »Wie gewinnt man auf die billigste Art Silber?
Man begibt sich in eine Allee, in der Silberpappeln stehen, gebietet Schweigen, dann hört das
›Pappeln‹ (Schwätzen) auf, und das Silber wird frei.« Der erste Leser und Kritiker dieses Buches
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Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Title
- Schriften von Sigmund Freud
- Subtitle
- (1856–1939)
- Author
- Sigmund Freud
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- Size
- 21.6 x 28.0 cm
- Pages
- 2789
- Keywords
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Categories
- Geisteswissenschaften
- Medizin