Page - 2643 - in Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)
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›Das ist gewiß keine leichte Aufgabe, aber es müßte bei einiger Aufmerksamkeit dem
Träumenden selbst wohl immer gelingen. – Warum es meistens nicht gelingt? Es scheint bei
Euch etwas Verstecktes in den Träumen zu liegen, etwas Unkeusches eigener und höherer Art,
eine gewisse Heimlichkeit in Eurem Wesen, die schwer auszudenken ist; und darum scheint Euer
Träumen so oft ohne Sinn, sogar ein Widersinn zu sein. Es ist aber im tiefsten Grunde durchaus
nicht so; ja, es kann gar nicht so sein, denn es ist immer derselbe Mensch, ob er wacht oder
träumt.‹«
[122] Ich habe die vollständige Analyse und Synthese zweier Träume seither in dem ›Bruchstück
einer Hysterie-Analyse‹, 1905 gegeben. Als die vollständigste Deutung eines längeren Traumes
muß die Analyse von O. Rank, ›Ein Traum, der sich selbst deutet‹, anerkannt werden.
[123] Aus einer Arbeit von K. Abel, Der Gegensinn der Urworte (1884) (siehe mein Referat,
1910 e), erfuhr ich die überraschende, auch von anderen Sprachforschern bestätigte Tatsache, daß
die ältesten Sprachen sich in diesem Punkte ganz ähnlich benehmen wie der Traum. Sie haben
anfänglich nur ein Wort für die beiden Gegensätze an den Enden einer Qualitäten- oder
Tätigkeitsreihe (starkschwach, altjung, fernnah, binden-trennen) und bilden gesonderte
Bezeichnungen für die beiden Gegensätze erst sekundär durch leichte Modifikationen des
gemeinsamen Urworts. Abel weist diese Verhältnisse im großen Ausmaße im Altägyptischen
nach, zeigt aber deutliche Reste derselben Entwicklung auch in den semitischen und
indogermanischen Sprachen auf.
[124] Vergleiche die Bemerkung des Aristoteles über die Eignung zum Traumdeuter (s. oben
S. 118, Anm. 27)
[125] Vgl. hiezu die Bemerkung S. 274, Anm. 108.
[126] Wenn ich im Zweifel bin, hinter welcher der im Traum auftretenden Personen ich mein Ich
zu suchen habe, so halte ich mich an folgende Regel: Die Person, die im Traume einem Affekt
unterliegt, den ich als Schlafender verspüre, die verbirgt mein Ich.
[127] Derselben Technik der zeitlichen Umkehrung bedient sich manchmal der hysterische
Anfall, um seinen Sinn dem Zuschauer zu verbergen. Ein hysterisches Mädchen hat z. B. in
einem Anfalle einen kleinen Roman darzustellen, den sie sich im Anschluß an eine Begegnung in
der Stadtbahn im Unbewußten phantasiert hat. Wie der Betreffende, durch die Schönheit ihres
Fußes angezogen, sie, während sie liest, anspricht, wie sie dann mit ihm geht und eine stürmische
Liebesszene erlebt. Ihr Anfall setzt mit der Darstellung dieser Liebesszene durch die
Körperzuckungen ein (dabei Lippenbewegungen fürs Küssen, Verschränkung der Arme für die
Umarmung), darauf eilt sie ins andere Zimmer, setzt sich auf einen Stuhl, hebt das Kleid, um den
Fuß zu zeigen, tut, als ob sie in einem Buche lesen würde, und spricht mich an (gibt mir
Antwort). Vgl. hiezu die Bemerkung Artemidorus’: »Bei der Auslegung von Traumgeschichten
muß man sie einmal vom Anfang gegen das Ende, das andere Mal vom Ende gegen den Anfang
hin ins Auge fassen…«
[128] Ich weiß heute nicht, ob mit Recht.
[129] Begleitende hysterische Symptome: Ausbleiben der Periode und große Verstimmung, das
Hauptleiden dieser Kranken.
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Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Title
- Schriften von Sigmund Freud
- Subtitle
- (1856–1939)
- Author
- Sigmund Freud
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- Size
- 21.6 x 28.0 cm
- Pages
- 2789
- Keywords
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Categories
- Geisteswissenschaften
- Medizin