Page - 2645 - in Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)
Image of the Page - 2645 -
Text of the Page - 2645 -
einen anderen, der »verkehrt« gelesen werden muß, siehe bei Stekel (1909, 486).
[148] Vgl. die Arbeiten von Bleuler und seinen Züricher Schülern, Maeder, Abraham u. a. über
Symbolik, und die nichtärztlichen Autoren, auf welche sie sich beziehen (Kleinpaul u. a.). Das
Zutreffendste, was über diesen Gegenstand geäußert worden ist, findet sich in der Schrift von
O. Rank und H. Sachs, 1913, Kapitel I. Ferner E. Jones (1916).
[149] Diese Auffassung würde eine außerordentliche Unterstützung in einer von Dr. Hans
Sperber vorgetragenen Lehre finden. Sperber (1912) meint, daß die Urworte sämtlich sexuelle
Dinge bezeichneten und dann diese sexuelle Bedeutung verloren, indem sie auf andere Dinge und
Tätigkeiten übergingen, die mit den sexuellen verglichen wurden.
[150] So tritt z.
B. das auf dem Wasser fahrende Schiff in den Harnträumen ungarischer Träumer
auf, obwohl dieser Sprache die Bezeichnung »schiffen« für »urinieren« fremd ist (Ferenczi; vgl.
auch S. 361 f. unten). In den Träumen von Franzosen und anderen Romanen dient das Zimmer
zur symbolischen Darstellung der Frau, obwohl diese Völker nichts dem deutschen
»Frauenzimmer« Analoges kennen.
[151] »Ein in einer Pension wohnender Patient träumt, er begegne jemand vom Dienstpersonal
und frage sie, welche Nummer sie habe; sie antwortet zu seiner Überraschung: 14. Tatsächlich
hat er Beziehungen zu dem in Rede stehenden Mädchen angeknüpft und auch mehrmals
Zusammenkünfte mit ihr in seinem Schlafzimmer gehabt. Sie befürchtete begreiflicherweise, daß
die Wirtin sie im Verdacht habe, und machte ihm am Tage vor dem Traum den Vorschlag, sich
mit ihr in einem der unbewohnten Zimmer zu treffen. In Wirklichkeit hatte dieses Zimmer die
Nummer 14, während im Traum das Weib diese Nummer trägt. Ein deutlicherer Beleg für die
Identifizierung von Frau und Zimmer laßt sich kaum denken.« (Ernest Jones, 1914 a.) (Vgl.
Artemidorus Symbolik der Träume (übersetzt von F.
S. Krauss, Wien, 1881, 110): »So z. B.
bedeutet die Schlafstube die Gattin, falls eine solche im Hause ist.«)
[152] Ich wiederhole hierüber, was ich an anderer Stelle (›Die zukünftigen Chancen der
psychoanalytischen Therapie‹, 1910 d) geäußert habe: »Vor einiger Zeit wurde es mir bekannt,
daß ein uns ferner stehender Psychologe sich an einen von uns mit der Bemerkung gewendet, wir
überschätzten doch gewiß die geheime sexuelle Bedeutung der Träume. Sein häufigster Traum
sei, eine Stiege hinaufzusteigen, und da sei doch gewiß nichts Sexuelles dahinter. Durch diesen
Einwand aufmerksam gemacht, haben wir dem Vorkommen von Stiegen, Treppen, Leitern im
Traum Aufmerksamkeit geschenkt und konnten bald feststellen, daß die Stiege (und was ihr
analog ist) ein sicheres Koitussymbol darstellt. Die Grundlage der Vergleichung ist nicht schwer
aufzufinden; in rhythmischen Absätzen, unter zunehmender Atemnot kommt man auf eine Höhe
und kann dann in ein paar raschen Sprüngen wieder unten sein. So findet sich der Rhythmus des
Koitus im Stiegensteigen wieder. Vergessen wir nicht, den Sprachgebrauch heranzuziehen. Er
zeigt uns, daß das ›Steigen‹ ohne weiteres als Ersatzbezeichnung der sexuellen Aktion gebraucht
wird. Man pflegt zu sagen, der Mann ist ein ›Steiger‹, ›nachsteigen‹. Im Französischen heißt die
Stufe der Treppe la marche: ›un vieux marcheur‹ deckt sich ganz mit unserem ›ein alter
Steiger‹.«
[153] Vgl. im Zentbl. Psychoanal., Bd. 2, 675, die Zeichnung einer 19jährigen Manischen: ein
Mann mit einer Schlange als Krawatte, die sich einem Mädchen entgegenwendet. Dazu die
Geschichte ›Der Schamhaftige‹ (Anthropophyteia, Bd. 6, 334): In eine Badestube trat eine Dame
2645
back to the
book Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)"
Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Title
- Schriften von Sigmund Freud
- Subtitle
- (1856–1939)
- Author
- Sigmund Freud
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- Size
- 21.6 x 28.0 cm
- Pages
- 2789
- Keywords
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Categories
- Geisteswissenschaften
- Medizin