Page - 2656 - in Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)
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führen kann, wenn die beiden miteinander nicht einig sind.« (Vorlesungen zur Einführung in die
Psychoanalyse, 14. Vorlesung.)
[230] Dieses Material ist seither von der psychoanalytischen Literatur in reichlichem Ausmaß
beigestellt worden.
[231] Von mir hervorgehoben; übrigens nicht mißverständlich.
[232] Meine Hervorhebung.
[233] Es sind hier wie an anderen Stellen Lücken in der Bearbeitung des Themas, die ich
absichtlich belassen habe, weil deren Ausfüllung einerseits einen zu großen Aufwand, anderseits
die Anlehnung an ein dem Traume fremdes Material erfordern würde. So habe ich es z. B.
vermieden anzugeben, ob ich mit dem Worte »unterdrückt« einen anderen Sinn verbinde als mit
dem Worte »verdrängt«. Es dürfte nur klar geworden sein, daß letzteres die Zugehörigkeit zum
Unbewußten stärker als das erstere betont. Ich bin auf das naheliegende Problem nicht
eingegangen, warum die Traumgedanken die Entstellung durch die Zensur auch für den Fall
erfahren, daß sie auf die progrediente Fortsetzung zum Bewußtsein verzichten und sich für den
Weg der Regression entscheiden, u. dgl. Unterlassungen mehr. Es kam mir vor allem darauf an,
einen Eindruck von den Problemen zu erwecken, zu denen die weitere Zergliederung der
Traumarbeit führt, und die anderen Themata anzudeuten, mit denen dieses auf dem Wege
zusammentrifft. Die Entscheidung, an welcher Stelle die Verfolgung abgebrochen werden soll, ist
mir dann nicht immer leicht geworden. – Daß ich die Rolle des sexuellen Vorstellungslebens für
den Traum nicht erschöpfend behandelt und die Deutung von Träumen mit offenkundig
sexuellem Inhalt vermieden habe, beruht auf einer besonderen Motivierung, die sich vielleicht
mit der Erwartung der Leser nicht deckt. Es liegt gerade meinen Anschauungen und den
Lehrmeinungen, die ich in der Neuropathologie vertrete, völlig ferne, das Sexualleben als ein
Pudendum anzusehen, das weder den Arzt noch den wissenschaftlichen Forscher zu bekümmern
hat. Auch finde ich die sittliche Entrüstung lächerlich, durch welche der Übersetzer des
Artemidoros aus Daldis über die Symbolik der Träume sich bewegen ließ, das dort enthaltene
Kapitel über sexuelle Träume der Kenntnis der Leser zu unterschlagen. Für mich war allein die
Einsicht maßgebend, daß ich mich bei der Erklärung sexueller Träume tief in die noch
ungeklärten Probleme der Perversion und der Bisexualität verstricken müßte, und so sparte ich
mir dies Material für einen anderen Zusammenhang.
[234] Der Traum ist nicht das einzige Phänomen, welches die Psychopathologie auf die
Psychologie zu begründen gestattet. In einer kleinen, noch nicht abgeschlossenen Reihe von
Aufsätzen in der Monatsschrift für Psychiatrie und Neurologie (›Über den psychischen
Mechanismus der Vergeßlichkeit‹, 1898 i – ›Über Deckerinnerungen‹, 1899 a) suche ich eine
Anzahl von alltäglichen psychischen Erscheinungen als Stützen der nämlichen Erkenntnis zu
deuten. Diese und weitere Aufsätze über Vergessen, Versprechen, Vergreifen usw. sind seither
als Psychopathologie des Alltagslebens gesammelt erschienen (1901 h).
[235] Diese Auffassung erfuhr eine Ausgestaltung und Abänderung, nachdem man als den
wesentlichen Charakter einer vorbewußten Vorstellung die Verbindung mit
Wortvorstellungsresten erkannt hatte (›Das Unbewußte‹, 1915 e).
[236] Ich freue mich, auf einen Autor hinweisen zu können, der aus dem Studium des Traums
den nämlichen Schluß über das Verhältnis der bewußten zur unbewußten Tätigkeit gezogen hat.
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Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Title
- Schriften von Sigmund Freud
- Subtitle
- (1856–1939)
- Author
- Sigmund Freud
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- Size
- 21.6 x 28.0 cm
- Pages
- 2789
- Keywords
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Categories
- Geisteswissenschaften
- Medizin