Page - 2658 - in Schriften von Sigmund Freud - (1856–1939)
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Psychologie des Unbewußten.
[1] Janet (1909).
[2] Eine merkwürdig klare Ahnung dieser Verursachung hat kürzlich Otto Rank in einer Stelle
Schopenhauers aufgezeigt. (Die Welt als Wille und Vorstellung, Bd. 2. S. Rank, 1910.)
[3] Der Schlafzustand kann das Ebenbild des Seelenlebens vor der Anerkennung der Realität
wiederbringen, weil er die absichtliche Verleugnung derselben (Schlafwunsch) zur
Voraussetzung nimmt.
[4] Ich will versuchen, die obige schematische Darstellung durch einige Ausführungen zu
ergänzen: Es wird mit Recht eingewendet werden, daß eine solche Organisation, die dem
Lustprinzip frönt und die Realität der Außenwelt vernachlässigt, sich nicht die kürzeste Zeit am
Leben erhalten könnte, so daß sie überhaupt nicht hätte entstehen können. Die Verwendung einer
derartigen Fiktion rechtfertigt sich aber durch die Bemerkung, daß der Säugling, wenn man nur
die Mutterpflege hinzunimmt, ein solches psychisches System nahezu realisiert. Er halluziniert
wahrscheinlich die Erfüllung seiner inneren Bedürfnisse, verrät seine Unlust bei steigendem Reiz
und ausbleibender Befriedigung durch die motorische Abfuhr des Schreiens und Zappelns und
erlebt darauf die halluzinierte Befriedigung. Er erlernt es später als Kind, diese
Abfuhräußerungen absichtlich als Ausdrucksmittel zu gebrauchen. Da die Säuglingspflege das
Vorbild der späteren Kinderfürsorge ist, kann die Herrschaft des Lustprinzips eigentlich erst mit
der vollen psychischen Ablösung von den Eltern ein Ende nehmen. – Ein schönes Beispiel eines
von den Reizen der Außenwelt abgeschlossenen psychischen Systems, welches selbst seine
Ernährungsbedürfnisse autistisch (nach einem Worte Bleulers) befriedigen kann, gibt das mit
seinem Nahrungsvorrat in die Eischale eingeschlossene Vogelei, für das sich die Mutterpflege auf
die Wärmezufuhr einschränkt. – Ich werde es nicht als Korrektur, sondern nur als Erweiterung
des in Rede stehenden Schemas ansehen, wenn man für das nach dem Lustprinzip lebende
System Einrichtungen fordert, mittels deren es sich den Reizen der Realität entziehen kann. Diese
Einrichtungen sind nur das Korrelat der »Verdrängung«, welche innere Unlustreize so behandelt,
als ob sie äußere wären, sie also zur Außenwelt schlägt.
[5] Ähnlich wie eine Nation, deren Reichtum auf der Ausbeutung ihrer Bodenschätze beruht,
doch ein bestimmtes Gebiet reserviert, das im Urzustande belassen und von den Veränderungen
der Kultur verschont werden soll (Yellowstonepark).
[6] Den Vorzug des Real-Ichs vor dem Lust-Ich drückt Bernard Shaw treffend in den Worten aus:
» To be able to choose the line of greatest advantage instead of yielding in the direction of least
resistance.« (Man and Superman; A Comedy and a Philosophy.)
[7] Vgl. Ähnliches bei O. Rank (1907).
[8] O. Rank (1911).
[9] Vgl. für diese Aufstellungen die Diskussion des »Weltunterganges« in der Analyse des
Senatspräsidenten Schreber (1911). Ferner: Abraham (1908).
[10] S. die entsprechenden Abschnitte in meinem Buch Totem und Tabu (1912–13).
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Schriften von Sigmund Freud
(1856–1939)
- Title
- Schriften von Sigmund Freud
- Subtitle
- (1856–1939)
- Author
- Sigmund Freud
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- Size
- 21.6 x 28.0 cm
- Pages
- 2789
- Keywords
- Psychoanalyse, Traumdeutung, Sexualität, Angst, Hysterie, Paranoia, Neurologie, Medizin
- Categories
- Geisteswissenschaften
- Medizin