Page - 191 - in Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden - in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
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In früherer Zeit hatte man bei den Kaste «geblasen allgemein
die keistcnliederung (welche wir bei den hölzernen Bälgen kennen
gelernt haben); zu dem Ende wurden die Hcitenwändc im In-
nern der Kästen thunlichst glatt gehobelt, und um hiedurch recht
glatte Flächen zu bekommen, hat man oft eine eigene Bekleidung
der Innenflächen mit einer andern dichten» Holzart, wie Espen,
Linden, Erlen, Apfclbaum und dergleichen vorgenommen, wobei die
Holzfaser der Bekleidung in aufrechte Lage kam, während die äu-
ßern Bohlen nothwendig der Quere nach gelegt werden müssen,—
ia selbst Bekleidungen von Marmorplatten hat man in Anwendung
gebracht. Allein in neuerer Zeit hat man ein weit vorzüglicheres,
einfacheres und zugleich viel billigeres Mittel, den Kästen sehr glatte
Innenflächen zu geben, nämlich die Graphit irung, bei dcr dann
ebenfalls graphitirte Leisten, oder bei einfach wirkenden Kästen ge-
wöhnlicher eine Leder-Liederung in Anwendung kömmt. Nachdem
aber die Leder-Liederung, welche vermög ihrer Weichheit und Ela-
sticität an den Seitenwänden allerdings vollkommen schließt, in den
scharfen Ecken oft schlecht anpaßt, hat man diese mit eigens einge-
setzten Winkelstücken abgerundet, wie im Grundrisse Fig. 12 bei
dem Kasten ^ mit punktirten Linien zu ersehen. Die Graphiti-
rung wird am bequemsten mit den einzelnen Seitenwändcn der
Kästen vorgenommen, bevor diese zum Kasten zusammengesetzt wei-
den, und in folgender Art ausgeführt:
Zuerst wird die aus ungehobelt belassenen Bohlen zusammen»
geleimte Seiteuwand auf dcr Innenfläche nur so lange mit einem
Hobel bezogen, bis die ärgste Nauhheit der Sägeschnittftäche fort-
genommen ist, dabei aber immer noch einige Nauhhcit zurückbleibt,
weil die Graphitirung darauf leichter hält als auf einer ganz glatt
gehobelten Fläche. Tie Masse der Graphitirung besteht aus Gra-
phit und Leim, und wird bereitet, indem man 10 bis 15 Pfund fein
geschlämmten Graphit nach und nach in beiläufig 2 Maß Wasser unter
beständigem Umrühren einträgt, und dazu sodann 3 bis 4 Pfund
Tischlerleim, welchen man inzwischen in einer Leimpfanne mit gan-
wenig Wasser aufkochen läßt, unter fortgesetztem Umrühren allmäh-
lig eingießt. Mit diesem ziemlich dünnen und besonders das erste
Mal stark erwärmten Graphitblei wird tie zu graphitirende Fläche
Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Title
- Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
- Subtitle
- in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Author
- Peter Tunner
- Publisher
- C. Tanzer'schen Schriften
- Location
- Graz
- Date
- 1846
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 11.09 x 19.47 cm
- Pages
- 540
- Keywords
- Stahlindustrie, Stahlwirtschaft
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen