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bringen eines äußern Wassertühlkastens über der Arbeitscffnung des
Frischherdes füglich zu ersparen, wie in der That bei allen diesen
beschriebenen Herden geschehen ist, man muß nur die Arbcitseffnung
nicht unnöthig groß halten. Das Aufgeben der Kohlen bei einer
so kleinen Arbcitsöffnung kann nicht anders als mit mittelmäßig
großen Kohlenschaufeln geschehen, und sollte überhaupt bei einer
guten Kohlenwirthschaft nie anders bewerkstelliget werden, obgleich
die Arbeiter aus Bequemlichkeit allenthalben ihre Einwendungen
dagegen haben, bis sie einmal daran gewohnt sind. Daß ein Frisch-
feuer mit Glühherden und ebenso bei Luftcrhitzungsapparaten Tag
und Nacht betrieben werden soll, und die an manchen Orten übli-
che Gepflogenheit, daß der Frischer oder Heizer nach beendetem
Frischen ein Weilchen ausruhet, nicht gestattet werden darf, wenn
man einen guten Erfolg von der Benützung der Ueberhitze erlan-
gen will, versteht sich von selbst.
§. 73 . Der Frischprozeß kann füglich nicht anders als in
einem von der Seite geschlossenen Raume, in einer Grube, vor-
genommen werden, damit die nöthige Temperatur erzeugt, das Brenn-
material aufs beste benützt, und die Eisenmasse gehörig bearbeitet
werden kann. Dieser Naum wird die Herdgrube oder die Feuer-
grube genannt. Als Material zur Herstellung der Herdgrube be-
dient man sich des Guß- oder Schmiedeisens, der Steine oder Zie-
gel, oder des Kohlenklcins, der Lösche oder der eiscnreichcn Schlacke,
die beim Frischprozesse abfällt, und Frischschlacke genannt wird. Sehr
gewöhnlich bringt man bei ein und derselben Feuergrube mehrere
dieser Baumaterialien zugleich in Anwendung; namentlich muß
dieses geschehen, wenn man sich der Lösche oder der Frischschlackc
bedient, die für sich allein nicht die gehörige Haltbarkeit gewähren
würden.
Von oben, im Grundrisse betrachtet, kann die Gestalt der Gru-
be eine runde, halbrunde oder eckige seyn. Die natürlichste Gestalt
wäre die runde, weil der Verbrennungsprozeß, der darin vorgenom-
men wird, gleichsam von einem Mittelpuncte ausgehet, der sich vor
der Mündung des Eßeisens befindet, durch welche die zur Verbren-
nung nöthige Luft einströmt. Bei Herdgruben, die aus Lösche oder
Mauerwerk hergestellt werden, trifft man wirklich meist eine runde,
Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Title
- Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
- Subtitle
- in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Author
- Peter Tunner
- Publisher
- C. Tanzer'schen Schriften
- Location
- Graz
- Date
- 1846
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 11.09 x 19.47 cm
- Pages
- 540
- Keywords
- Stahlindustrie, Stahlwirtschaft
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen