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mindestens eine halbrunde Gestalt; allein bei den eisernen Herd-
gruben ist die runde Gestalt >.'icl schwieriger herzustellen als eine
eckige, und weil der diesfällige Unterschied keine grosie Wichtigkeit
hat, wird bei diesen Gruben gewöhnlich eine eckige Figur gewählt;
indessen zeigt uns Fig. 14 einen gußeisernen halbrunden Frifchherd.
Der Frischschlacke bedient man sich wegen ihrer leichtern Schmel;-
barkeit nur allenfalls zur Anfertigung des Vodens der Grube. Die
Seitenwände der Grube können ebenfalls in geraden cter krummen
Linien aufgeführt werden. Das Erstere geschieht aus den oben an°
gefühlten Gründen jedes Mal bei den eisernen Herdgruben; die
gemauerten dagegen sind bald gerade, bald gekrümmt; bei der Lö-
sche müssen die Wände eine krumme Linie bilden. Damit das voll-
endete Schmelzgut leicht ausgcbrochcn werden kann, pflegt man die
Grube nach aufwärts weiter als am Voden zu machen; bisweilen
trifft man indessen eine durchaus gleiche Weite, ja selbst eine Ver-
engung nach oben findet ausnahmsweise Statt. Die Höhe der Sci-
tenwände ist selten auf allen Seiten gleich, nur wählt man öfters
theilweise bewegliche Seitenwände, die aus Eisenplatten oder Lösche
bestehen, und nach Bedarf hingestellt oder aufgeführt, oder fortge-
nommen werden.
Vei der eckigen Gestalt erhält die Grube immer vier Ecken,
und somit vier Seiten, welche ihre eigenen Namen führen, und
die man selbst bei der halbrunden oder ganz runden Gestalt beibe-
halten hat. Jene Seite, auf der das Efieisen, die Form, ange-
bracht ist, wird die Eß eisen- oder Formscite, oder die Ab-
brandseite genannt; die ihr gegenüberliegende Seite heißt die
Wind-, Rühr- oder Gichtseite, oder Nia. Jene Seite, an
der sich gewöhnlich der Arbeiter befindet, wird die Vorder-, Ar-
beit-, Eßbank-- cde>- Sinter - Seite, oder Nol genannt;
und die ihr gegenüber stehende Seite führt den Namen Hinter-
Wolf-, Aschen- oder Lösch-Seite. Die Form- oder Abbrand-
seite pflegt die höchste zu seyn, weil sie in der Negel unmittelbar
an die Innenseite der Esse anschließt; nach dieser ist meist die
Hinter« oder Wolfseite die höchste; die Nrbeitseite ist gewöhnlich
die niederste. Erhält eine Grube zwei (oder mehrere) Fcrmen, wie
das bisweilen geschieht, so könncn diese nebeneinander auf Einer
Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Title
- Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
- Subtitle
- in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Author
- Peter Tunner
- Publisher
- C. Tanzer'schen Schriften
- Location
- Graz
- Date
- 1846
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 11.09 x 19.47 cm
- Pages
- 540
- Keywords
- Stahlindustrie, Stahlwirtschaft
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen